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Dieses Sommergefühl
Dieses Sommergefühl
© Rendezvous Filmverleih

Kritik: Dieses Sommergefühl (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der französische Regisseur Mikhaël Hers erzählt eine flirrend leichte und zugleich melancholische Geschichte, die auch andere scheinbare Gegensätze mühelos zusammenbringt. Sie erstreckt sich über drei Sommer – die anderen Jahreszeiten werden übersprungen – in der Stadt: In Berlin, Paris und New York flanieren die Leute noch spät auf den Straßen, treffen sich in Parks. Der Amerikaner Lawrence lernt die Schwester seiner französischen Freundin an deren Sterbebett kennen. Den ersten Schock teilen sie in Berlin, im nächsten Sommer spenden sie sich gegenseitig Trost in Paris. Und einen Sommer später ziehen sie erneut Bilanz, diesmal in New York, über den Weg, den sie bis dahin zurückgelegt haben.

Der Film erzählt seine Geschichte nicht auf die übliche Weise, indem er sich gleich auf einen Hauptcharakter konzentriert. Zuerst folgt die zunächst wortkarge Handlung Sasha, die aber mit ihrem Tod auch von der Bildfläche verschwindet. Diese gehört fortan ihrem Umfeld, nämlich vor allem Lawrence und Zoé. Und auch über diese beiden wird nur so viel erzählt, wie es einzelne Momentaufnahmen jeweils erlauben. Lawrence und Zoé besuchen sich, tauschen sich ein wenig aus, ihre Nähe bleibt brüchig und scheint dennoch intensiv zu sein. So folgt die Erzählung dem Muster realer Begegnungen und wirkt dabei authentisch und von atmosphärischen Eindrücken geleitet. Die Trauer, die Lawrence und Zoé verbindet, schärft ihre Sinne und tritt in einen inneren, aber spürbaren Dialog mit ihrer Wahrnehmung der Außenwelt.

Und so umschließt die äußerlich eher unscheinbare Handlung sowohl das Thema Trauer, wie auch die Erforschung eines jungen, eben sommerlichen Lebensgefühls. Lawrence und Sasha wollten erfahren, wie es sich in Berlin leben lässt, doch irgendwann scheint New York wieder die passendere Adresse für den Amerikaner zu sein. Auch Zoé wirkt neugierig und offen genug, um in den Flow fremder Großstädte eintauchen zu können. Um ihren Weg in einer globalisierten Welt zu finden, müssen diese Charaktere sie erkunden. Viele Aufnahmen in diesem impressionistischen Film ähneln sich, aber jeder Ort hat seine kleinen Besonderheiten: den Flur eines Altbaus, die Geräusche vor dem Balkon, der Blick auf die Hochhäuser vom Park aus. Mikhaël Hers führt mit diesem bewegenden Film den Beweis, dass man Gehaltvolles auch auf flüchtige Weise, über die Atmosphäre, erzählen kann.

Fazit: Melancholie und Leichtigkeit wirken in diesem impressionistischen Drama des französischen Regisseurs Mikhaël Hers wie Gegensätze, die sich anziehen. In Berlin, Paris und New York verbringen zwei junge Menschen einige gemeinsame Stunden in drei aufeinanderfolgenden Sommern, doch was sie verbindet, ist die Trauer um eine geliebte Person. Ihr emotionaler Ausnahmezustand schiebt sich wie ein Filter vor die Wahrnehmung des Lebens draußen, lässt seine Farben aber noch schärfer hervortreten. So entsteht ein filmisches Erlebnis von besonderer Authentizität und mit langem Nachhall.





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