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Kritik: Mali Blues (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der deutsche Regisseur Lutz Gregor hat sich in Mali auf eine spannende musikalische Entdeckungsreise begeben. Das Land besitzt wie auch der Nachbar Senegal eine tief verwurzelte musikalische Kultur. Sie spielt gerade in der heutigen Zeit wieder eine besondere Rolle. Die vier in diesem Dokumentarfilm vorgestellten Musiker begreifen ihre Kunst nämlich auch als Mittel des sozialen Protests und vor allem als Widerstand gegen den islamistischen Terror im Norden des Landes. Auf dem renommierten "Festival sur le Niger" treten Sänger aus verschiedenen Teilen des Landes mit seinen 300 ethnischen Gruppen auf. Die oft in einheimischen Sprachen gesungenen Lieder signalisieren das wachsende Selbstbewusstsein der jungen Generation Westafrikas und drücken in ihrer bunten Vielfalt den Willen zum friedlichen, toleranten Miteinander aus.

Fatoumata Diawara, Ahmed Ag Kaedi, Master Soumy und Bassekou Kouyaté sind sozusagen natürliche Gegner des radikalen Islamismus. Denn dessen Anhänger, die 2012 in Timbuktu und anderen Gebieten im Norden des Landes die Herrschaft zumindest vorübergehend an sich rissen, verboten jegliche Musik. Sänger und Songwriter mussten aus der Region fliehen. Auch heute noch leben viele Musiker in Mali in Angst, aber sie trotzen ihr mit gemeinsamen öffentlichen Auftritten. Gregor filmt die Protagonisten auf dem Open-Air-Festival, aber auch beim Musizieren im privaten Umfeld, auf einem Hausdach oder den staubigen Straßen. Wenn die Kamera das Treiben am Flussufer oder vor den einfachen Behausungen in Bamako beobachtet, werden die Aufnahmen von Musik und Gesprächen aus dem Off begleitet. Die einzelnen Musiker erzählen von sich, geben Auskunft über ihr Selbstverständnis. Mit Fatoumata Diawara reist das Filmteam auch in das Heimatdorf ihrer Familie, zu dem sie ein schwieriges Verhältnis hat. Dort wird sie nicht zum ersten Mal gedrängt, endlich zu heiraten, aber die selbstbewusste junge Frau hat dazu keine Lust. Sie nutzt den Aufenthalt, um vor Mädchen und ihren Müttern ein Lied zu singen, das die Praxis der weiblichen Beschneidung anprangert.

Der schön fotografierte Film erschafft eine sehr unmittelbare Atmosphäre. Er demonstriert hautnah, zum Beispiel wenn er die Begeisterung der jungen Festivalbesucher zeigt, dass die Musiker großen gesellschaftlichen Einfluss besitzen und ihrerseits gewillt sind, ihn geltend zu machen. So stimmt der Film optimistisch, dass aus der langen musikalischen Tradition des Landes eine Protestbewegung erwachsen könnte, welche die Kraft hat, den Islamismus in die Schranken zu weisen.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Lutz Gregor taucht in die traditionsreiche Musikszene Malis ein und stellt vier Künstler unterschiedlicher Stilrichtungen vor, die sich dem radikalen Islamismus widersetzen. Der informative und schön fotografierte Streifzug registriert das wachsende Selbstbewusstsein einer jungen westafrikanischen Generation, die nach friedlichen Wegen aus politischer Bevormundung und Ohnmacht sucht.





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