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Gemeinsam wohnt man besser
Gemeinsam wohnt man besser
© Alamode Film © Die FILMAgentinnen

Kritik: Gemeinsam wohnt man besser (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Nicht nur in Paris, sondern auch in deutschen Großstädten herrscht große Wohnungsnot. Damit Studenten zu Semesterbeginn eine bezahlbare Bleibe finden, wird sogar an Rentner appelliert, ein Zimmer unterzuvermieten. Aber kann eine solche Nähe verschiedener Generationen, die sich Küche und Bad teilen müssen und unterschiedliche Gewohnheiten haben, funktionieren? Die flotte französische Komödie von Regisseur François Desagnat schickt einen traurigen alten Witwer in ein solches Experiment, das sich bald zu einer Vierer-Wohngemeinschaft ausweitet. Die tägliche Unruhe geht Hubert oft auf die Nerven, aber sie holt ihn auch allmählich wieder zurück ins Leben.

Besonders das konfliktreiche Duo Hubert und Manuela gibt häufig Anlass zum Schmunzeln. Der ehemalige Arzt und die unbekümmerte Studentin haben nichts gemeinsam, hegen aber Sympathien füreinander. Er sieht in ihr eine Ersatztochter, die ihn ganz schön herausfordert. Schon die lange Szene, in der sie ihn beim ersten Treffen dazu bewegen will, ihr ein Zimmer zu vermieten, ist ein köstliches verbales Kräftemessen. Man merkt, dass sich diese beiden Menschen etwas zu geben haben. Auch die beiden anderen Mitbewohner besitzen spaßiges Potenzial, vor allem, weil es zwischen ihnen funkt und sie das nicht wahrhaben wollen. Der stets etwas provisorische Alltag, in dem sich die WG-Bewohner gegenseitig unterstützen und dennoch ihre eigenen Wege gehen, wird auf beiläufige Weise ganz authentisch geschildert. Weniger gelungen sind die gelegentlichen Streifzüge in den Klamauk oder die etwas gewollte Komik des Running Gags mit Huberts Freund, der immer irrtümlich glaubt, der Alte führe ein wildes Sexualleben. Auch gibt es zwischendurch mal etwas Leerlauf in der Handlung, wenn sie von den Problemen des einen Charakters zu denen des nächsten flattert und nicht immer weiß, welches Ziel sie eigentlich verfolgt.

Was diese an sich durchschnittliche Komödie dennoch zu etwas Besonderem macht, ist das Spiel ihres Hauptdarstellers André Dussollier. Faszinierend, wie viele Facetten der renommierte Schauspieler seinem Filmcharakter zu verleihen vermag, von Resignation bis zu schwungvoller Lebensart. Und wie er ohne Worte, mit stets natürlich wirkendem Gesichtsausdruck, die verschiedensten Stimmungen und Gefühle wiedergibt. Hubert demonstriert mit Würde und Lebhaftigkeit zugleich, dass das Altsein keineswegs den mitleidigen Blick provozieren muss.

Fazit: Eine Wohngemeinschaft mit einer Studentin und zwei Berufstätigen beschert einem verwitweten Rentner ungewohnten Trubel. Der großartige Hauptdarsteller André Dussollier verleiht dieser kleinen französischen Schmunzelkomödie Glanz und einen eleganten Schwung, den die Dramaturgie nicht durchgehend besitzt. Besonders die unterschiedlichen Mentalitäten des Witwers und der Studentin sorgen für vergnüglichen Dialogwitz in der oft angenehm realitätsnahen Geschichte.





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