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Zwischen den Jahren
Zwischen den Jahren
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Kritik: Zwischen den Jahren (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Es reicht ein einziger Blick, um die Handlung von Lars Hennings "Zwischen den Jahren" in Gang zu setzen. Müde sitzt Wachmann Becker (Peter Kurth) in der U-Bahn, als sein Blick auf den Bahnsteig gegenüber fällt. Dort ist Dahlmann (Karl Markovics), ein Mann aus seiner Vergangenheit, den und die er zu gerne vergessen will.

Eigentlich lief es seit seiner Haftentlassung ganz gut. Rund 18 Jahre hat er abgegessen, wegen Mordes. Nun hat er das Rockermilieu hinter sich gelassen, zum Glauben gefunden, einen Job als Wachmann im Nachtschicht bekommen und die Putzfrau Rita (Catrin Striebeck) kennengelernt. Mit seinem neuen Kollegen Barat (Leonardo Nigro) hat er sogar einen Bekannten, vielleicht einen neuen Kumpel, der sich von seiner schroffen Art nicht abschrecken lässt. Aber nun tritt mit Dahlmann der Doppelmord zurück in sein Leben, für den er seine Haftstrafe bekommen hat. Bei einem Überfall hat er eine Frau und ein Kind "weggemacht", Dahlmanns Frau und Tochter. Dieser Blickkontakt nun erweckt in dem trauernden Witwer den Wunsch nach Rache. Also beginnt er, Becker nachzustellen, bricht in dessen Wohnung ein, tötet dessen Hund – und macht mehr als einmal deutlich, dass er verhindern wird, dass Becker jemals die Vergangenheit hinter sich lassen wird. Und mehr noch: seine Angriffe machen auch vor den Menschen nicht halt, zu denen Becker gerade versucht, eine Bindung aufzubauen.

"Zwischen den Jahren" ist eine faszinierende Mischung aus Sozialdrama und Thriller, in der die Kamera von Carol Burandt von Kameke immer wieder die Zwischenräume ausleuchtet und einfängt. Allein um das derzeitige Leben von Becker zu zeigen, reichen wenige Bilder, die die Tristesse einer Hochhaussiedlung und eines Wachdienstes in einer Lagerhalle einfangen. Bei dem ersten Wiedersehen von Becker und Dahlmann ist die Kamera erst in der Bahn, folgt Beckers Bild, dann zeigt sie Becker in der Bahn – und entwickelt eine visuelle Spannung, die die Bedeutung dieser Begegnung akzentuiert. Wenn sich Becker und Dahlmann dann erstmals gegenübersitzen in einem Restaurant, nimmt der Zwischenraum zwischen ihnen fast das gesamte Bild ein und verdeutlicht, dass sie diesen Abstand niemals überwinden werden.

Unterstützt wird diese visuelle Inszenierung von einem Drehbuch, dass insbesondere in den Hauptfiguren psychologisch schlüssig ist. Dabei überzeugt Peter Kurth nach "Herbert" abermals mit einer physisch ausdruckstarken Darstellung – und noch dazu bringt er exakt die richtige Betonung und Mimik mit. In jeder Sekunde ist er als Ex-Häftling äußert glaubwürdig. Diese feine Ausarbeitung des Charakters bereits im Drehbuch wäre auch bei Rita wünschenswert gewesen, die keinerlei Fragen stellt – und trotz der offensichtlichen Gefahr bei Becker bleibt. Hier ist es insbesondere Catrin Striebeck zu verdanken, dass man die Abenteuerlust, ja, vielleicht auch die Verführungskraft der Gefahr ahnt, die Rita anzieht. Aber das sind nur sehr kleine Abstriche bei einem insgesamt sehr gelungenen und sehenswerten Film, der ein weiteres Mal bestätigt, dass sich im deutschsprachigen Genrekino etwas bewegt.

Fazit: "Zwischen den Jahren" ist eine sehr gelungene Verbindung aus Sozialdrama und Psychothriller mit einem hervorragenden Hauptdarsteller.





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