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Maria Mafiosi
Maria Mafiosi
© Universum Film

Kritik: Maria Mafiosi (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Regiedebüt der Schauspielerin Jule Ronstedt ist eine bayerische Krimikomödie, die sich einerseits gut in dieses Genre einfügt, es andererseits aber auch um eine originelle Variante bereichert. Maria Moosandl befindet sich in der heimatlichen Provinz in einem ähnlichen Konflikt zwischen Dienst und Privatleben wie Franz Eberhofer in den Verfilmungen der Romane von Rita Falk. Oder wie Gisela Wegmeyer in den TV-Niederbayernkrimis von Max Färberböck. Arbeitsort und Lebensmittelpunkt fallen auch bei Maria zusammen, aber Ronstedts Komödie schraubt diese Verbindung ins Schwarzhumorige weiter und beweist dabei augenzwinkernd, dass die bayerische Provinz auch eine italienische sein kann.

Der Film spielt gut gelaunt mit Vorurteilen und Klischeevorstellungen über Italiener. Roccos Vater Silvio und seine Familie sind in Drogengeschäfte involviert, aber der Patriarch weiß, wie er den Polizeichef und auch den Bürgermeister (Sigi Zimmerschied) gefügig machen kann. Und weil der italienische Einfluss nun schon einmal so weit gediehen ist in Landsberg, steckt auch Maria das Geld ein, das ihr bei einer Polizeikontrolle offeriert wird - allerdings ohne ihre bayerische Strenge abzulegen. Wie Maria, die düpierte Braut, ihre italienische Rivalin mit diesem Einsatz in die Schranken weist, gehört zu den besten Szenen der Komödie. Hier setzt auch der Wandel ein, den die junge Polizistin von der armen Leidtragenden zur Akteurin vollzieht. Lisa Maria Potthoff beherrscht beide Varianten überzeugend. Für eine deutsche Komödie sind der schwarze Humor und die politische Unkorrektheit der Charaktere direkt ungewöhnlich, wodurch die Geschichte besonders erfrischend wirkt.

Was der Komödie in den Szenen, in denen es vor allem um die bayerischen Provinzcharaktere geht, allerdings etwas fehlt, ist der Schwung, den zum Beispiel die Eberhoferkrimis aufweisen. Die Situationskomik hätte oft noch gesteigert werden können. Der Sprachwitz, der mit den lückenhaften Deutschkenntnissen der Italiener spielt, wirkt wiederum schon relativ plump und verführt dennoch zum Lachen. Insgesamt überzeugt diese überwiegend gelungene Komödie, weil sie, obwohl sie der possenhaften Fantasie und der Lust am Persiflieren von Gauner- und Gangsterklischees freien Lauf lässt, nicht in puren Klamauk abrutscht.

Fazit: Das Regiedebüt von Jule Ronstedt ist eine schwarzhumorige bayerische Krimikomödie, die frech mit Klischees über Italiener und Deutsche spielt und beweist, dass die Mentalitäten gar nicht so verschieden sein müssen. Weil der Bräutigam der Polizistin Maria Moosandl aus Landsberg ein Problem mit seiner Familie und mit der Mafia hat, nimmt die junge Frau das Gesetz mal kurz in die eigene Hand. Die vergnügliche Geschichte rutscht trotz ihres possenhaften Charakters nicht in den Klamauk ab, sondern wirkt auf überzeugende Weise originell.





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