VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Freya - Geschichte einer Liebe
Freya - Geschichte einer Liebe
© barnsteiner-film

Kritik: Freya - Geschichte einer Liebe (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Freya und Helmuth James von Moltke schrieben sich zwischen 1929 und 1945 über 1600 Briefe. Es sind bewegende Dokumente einer Liebe, die sich mit der Nähe und schließlich mit der Gewissheit des Todes auseinandersetzt. Die beiden Regisseure dieses Dokumentarfilms, Antje Starost und Hans Helmut Grotjahn, lassen die Schauspieler Nina Hoss und Ulrich Matthes aus dem Off aus diesen Briefen vorlesen. Aber im Zentrum dieses wichtigen filmischen Dokuments über den Widerstand gegen den Nationalsozialismus steht ein Interview, das die 90-jährige Freya den Regisseuren 2001 in ihrem Haus in Vermont gab. Flankiert von den Erinnerungen des Sohnes Helmuth Caspar von Moltke gelingt so insgesamt ein aufschlussreiches und berührendes Porträt zweier Menschen mit Herz und Haltung. Aufgrund jahrelanger Finanzierungsprobleme, die kein Ruhmesblatt für die deutsche Filmförderung sind, konnte dieser außergewöhnliche Film erst 2016 fertiggestellt werden.

Wenn Freya von Moltke im Film erzählt, beurteilt sie den von ihrem Mann eingeschlagenen Weg, vor allem aber auch ihre Zustimmung dazu, schon beinahe als Selbstverständlichkeit. Auch die Trauer um seinen Tod sei ja nichts anderes gewesen, als das was unzählige Frauen im Krieg erlebten. Aber es sei doch gut zu wissen, dass einige Deutsche nicht für die Nazis starben, sondern als ihre Gegner. Das Schloss von Kreisau beherbergt heute eine Internationale Begegnungsstätte für die Jugend, was den Sohn sehr freut, der den Vater auch als einen Vordenker der europäischen Idee versteht.

Weder Freya von Moltke, noch ihr Mann neigten je zur Sentimentalität, wie ihr Briefwechsel beweist, der in wunderbar reflektierter und oft auch bezaubernd poetischer Sprache verfasst ist. Spannend sind auch die Passagen, in denen Helmuth James von Moltke vom "physischen Unwohlsein" schreibt, das ihm seine Arbeit verursacht, und "die Tiefen, zu denen Menschen sinken können", beklagt.

Als es dann ans Abschiednehmen geht, sind die Briefe gefasst und lebensbejahend. Aufnahmen von historischen Stätten in Berlin, von Landschaften, die das Paar gemeinsam erlebte, Fotografien aus dem Familienalbum, impressionistische Bilder von Regentropfen und der Vortrag einer Marimbaspielerin laden zur Kontemplation ein. Vor allem aber prägt sich auch die frische, unsentimentale Art Freya von Moltkes, aus ihrem Leben und von ihrem Mann zu erzählen, ins Gedächtnis ein.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Antje Starost und Hans Helmut Grotjahn gewährt anhand eines Interviews mit der 90-jährigen Freya von Moltke und Passagen aus dem Briefwechsel, den sie bis 1945 mit ihrem Mann Helmuth James Graf von Moltke führte, authentische Einblicke in den deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Das Paar im Zentrum des Kreisauer Kreises trotzte der Todesgefahr, wie die sprachlich beeindruckende Korrespondenz beweist, mit der Kraft der Liebe. Freya von Moltkes persönliche Erinnerungen schenken diesem bewegenden, aufschlussreichen Porträt zweier Regimegegner eine lebhafte Authentizität.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.