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Alles unter Kontrolle!
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© Neue Visionen

Kritik: Alles unter Kontrolle! (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Französische Komödien sind in Deutschland so beliebt, dass die Verleiher auch mit schlechteren Werken gerne einen Kinoversuch wagen. Und das gilt erst recht, wenn der Regisseur Philippe de Chauveron heißt. Denn auf den neuen Film des Mannes, der den Kassenschlager "Monsieur Claude und seine Töchter" inszenierte, dürfte das hiesige Publikum sehr gespannt sein. Aber leider ist diese Geschichte über zwei französische Polizisten und einen Abschiebehäftling, der unermüdlich beteuert, Opfer eines Justizirrtums zu sein, nichts weiter als ein dick aufgetragener Klischeereigen. Die Gleichgültigkeit, die José und Guy den Abschiebehäftlingen entgegenbringen, und die Art und Weise, wie diese als Trickser und Gauner dargestellt werden, wirkt betont provokant und erzeugt komödiantische Reibung. Aber dass Vorurteile und Chauvinismus so unverhüllt aufs Tapet gebracht werden, ohne sie sofort distanzierend zu entkräften, widerspricht dann doch eher der deutschen Vorstellung von politischer Korrektheit.

Irgendwann gibt es hier auch die interessante Rollenumkehr, wenn José im abenteuerlichen Durcheinander selbst für einen arabischen Flüchtling gehalten wird. So lernt er dann mal die Realität derer kennen, die die ersehnte europäische Identität noch nicht besitzen. Aber bis dahin ist es ein langer und auch nicht gerade spannender Weg. Ekelhumor im Flugzeug, Karzaouis Flucht mit dem Heizkörper, an den er gekettet ist, eine Drogenrausch-Szene in einem Club und anderes mehr sieht komödiantisch eher nach Standard aus, als nach Inspiration. Interessanter als die Eskapaden von Guy, José und Karzaoui auf Malta sind die schönen Aufnahmen der Altstadtgassen von Valletta.

Dass Karzaoui und José, der selbst einen familiären Migrationshintergrund besitzt, im Laufe der Geschichte Freunde werden, bedeutet noch lange nicht, dass sie sich einigen können. Dieser Interessenkonflikt wirkt ganz amüsant und unterhaltsam. Aber der Humor fällt gerne mit der Tür ins Haus und ermüdet daher auch schnell. Die Darsteller von José und Karzaoui, Ary Abittan und Medi Sadoun, hatten in "Monsieur Claude und seine Töchter" als Schwiegersöhne eindeutig die besseren Rollen. Hier agieren sie in einer hastig fabriziert wirkenden Komödie, der irgendeine relevante Aussage und innere Haltung fehlt und die ihre Unmotiviertheit vor den Zuschauern nicht kaschieren kann.

Fazit: Die neue Komödie des Regisseurs von "Monsieur Claude und seine Töchter" schickt einen aus Frankreich ausgewiesenen Migranten und zwei Begleitpolizisten als Zwangsgemeinschaft auf einen abenteuerlichen Roadtrip. Aufgrund ihres dick aufgetragenen Humors provoziert die wenig inspirierte Geschichte deutlicher als der filmische Vorgänger mit Klischees zu Migration und Fremdenangst. Der recht plumpe Umgang mit dem sensiblen Thema Flüchtlingskrise erweckt den Eindruck, dass der Film es für kommerzielle Zwecke ausbeuten will.





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