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Der Effekt des Wassers
Der Effekt des Wassers
© Alamode Film

Kritik: Der Effekt des Wassers (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Diese wunderbare romantische Komödie spielt sich mit ihrem trockenen Humor und ihren skurrilen Einfällen mühelos in die Herzen der Zuschauer. Es ist leider die letzte Regiearbeit der Isländerin Sólveig Anspach, die ihre Filme vorwiegend in Frankreich inszenierte ("Treibsand", "Queen of Montreuil". Sie starb überraschend im Sommer 2015, als diese Komödie noch nicht fertig geschnitten war. Ihr Team übernahm die Fertigstellung, sodass es nun ein Wiedersehen mit Agathe, Samir und Anna aus "Queen of Montreuil" gibt. Dennoch handelt es sich nicht um einen Fortsetzungsfilm, weil die Personen bis auf wenige Eigenschaften – Agathe ist auch hier Witwe, Samir Kranfahrer - eine neue Identität bekommen. Diese kreative Art, Fäden aufzugreifen und anders als erwartet weiterzuspinnen, kennzeichnet auch den Verlauf der Geschichte selbst, in dem kein Mangel an skurrilen Wendungen herrscht.

Trockener, lakonischer Humor durchzieht die gesamte Handlung, die im französischen Montreuil beginnt und in Island fortgeführt wird. Anspach interessiert sich keineswegs nur für die holprige Liebe, die sich zwischen Samir und Agathe entwickelt. Sondern sie malt auch genüsslich das jeweilige Umfeld aus, in dem sich die beiden begegnen. Den spröden Mikrokosmos eines kommunalen Schwimmbads mit seinen Vorschriften und Verhaltensregeln unterzieht die Regisseurin einer eingehenden, witzigen Betrachtung. Die isländische Episode erfreut zunächst mit einer Stegreifrede des falschen israelischen Delegierten auf dem Bademeisterkongress. Von Agathe aufgefordert, ein paar Worte zu sagen, erfindet Samir stockend eine israelisch-palästinensische Versöhnungsgeschichte, die ihn zum Star der Veranstaltung macht.

Samir Guesmi muss gar nicht viel tun, um in dieser Rolle seinen sanften, schüchternen Charme zu entfalten. Anna spielt eine leicht chaotische Stadträtin mit skurrilen Zügen. Und weil die Geschichte um ein Liebespaar in Nöten kreist, spiegelt sich in ihren rätselhaften Volten – ein Unfall mit Gedächtnisverlust, eine Kaffeesatzleserin – das schwindelige Gefühl der Protagonisten, die Realität sowieso nicht mehr ganz zu verstehen. Das Licht und die Landschaft Islands harmonieren mit der Abenteuerlust dieser mal realitätsnahen, dann aber wieder unbekümmert märchenhaften Geschichte. Selbst in der nüchternen Bad-Atmosphäre findet Anspach eine romantische Bildsprache, zum Beispiel wenn Samir beim Unterricht den Kopf ins Wasser tauchen soll und dort verstohlen und neugierig zu Agathes Unterwasserhälfte linst.

Fazit: Der letzte Film der früh verstorbenen Regisseurin Sólveig Anspach entpuppt sich als bezaubernde romantische Komödie mit trockenem Humor und skurrilen Wendungen. Voller Lust am naiven Fabulieren schickt die Geschichte zwei Menschen aus Frankreich, deren Annäherung früh ins Stocken geraten ist, in ein isländisches Abenteuer. Die charmante Charakterzeichnung und die eigenwillige Kombination von Nüchternheit und romantischer Verspieltheit sorgen für ein nicht alltägliches Filmvergnügen.





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