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Kritik: Trockenschwimmen (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Dokumentarfilm von Susanne Kim widmet sich einem spannenden Thema. Denn obwohl es immer heißt, dass man nie auslernt, ist es für Menschen im Rentenalter doch eher ungewöhnlich, noch einen Anfänger-Schwimmkurs zu besuchen. Doch andererseits nehmen sich viele Vertreter dieser Generation erst jetzt im Alter die Zeit für die schönen Dinge des Lebens, für Wellness- und Erlebnisreisen. Und zu einer solchen Unternehmung, die hinaus aus dem Alltag führt, die Sinne belebt und den Geist anregt, gerät auch dieser Schwimmkurs, für den die Teilnehmer nach Leipzig gekommen sind.

Susanne Kim beobachtet die Senioren nicht nur in der Schwimmhalle, sondern besucht manche von ihnen auch auf ihren Hotelzimmern oder geht zu einer nachmittäglichen Tanzparty mit. Nach und nach öffnen sich die Senioren, erzählen von früher, wirken gelöster. Sie machen auch beim Schwimmen Fortschritte, obwohl längst nicht alle mit sich zufrieden sind. Kim lässt den Film inhaltlich treiben, schaut auch mal Kindern und einer Gruppe Schwangerer im Wasser zu. Dann wieder animiert sie die Senioren mit den Fragen, die sie aus dem Off stellt, zur Rückschau und zur Beschäftigung mit dem Alter. Manchmal wirkt das gewollt, etwa wenn sie nach der Angst vor dem Sterben fragt – als müssten sich Menschen in den Sechzigern und Siebzigern schon intensiv damit beschäftigen. Aber sie bekommt auch selbstbewusste, erfrischende Antworten, die oft schmunzeln lassen, zum Beispiel wenn Monika erklärt, dass sie lieber allein lebt als mit einem alten Mann.

Diese inhaltliche Offenheit für verschiedene Themen lässt den Film mäandern und schließt auch unergiebige Szenen mit ein. Letztlich bleibt auch die Annäherung an die Protagonisten oberflächlich. Aber die bunte, experimentell wirkende Vielfalt stilistischer Mittel verweist darauf, dass es hier eher um das Erleben des Moments geht. Unvermittelt wird auf das tosende Meer geschnitten oder auf Szenen aus privaten Urlaubsfilmen. Und dann gibt es regelrechte Performance-Auftritte, in denen einzelne Senioren ihren Gefühlen wie im Traum Ausdruck verleihen. Das Wasser dient in diesem Film oft als Metapher für das Leben, für das Fließen und die Vergänglichkeit. So spürt der Dokumentarfilm der Inspiration, die die Senioren beim Schwimmenlernen erfahren, auf vielfältige Weise nach und weckt dabei die Lust, sich auf Neues einzulassen.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Susanne Kim beweist, dass es nie zu spät ist, um schwimmen zu lernen. Die Senioren, die die Kamera bei einem Kurs in einem Leipziger Hallenbad beobachtet, wollen ihre Angst vor dem Wasser überwinden und sich auf eine neue Erfahrung einlassen. Indem sich Kim auch für die Ansichten der Teilnehmer über das Alter und für ihre Rückschau auf das Leben interessiert, erweitert sie die Betrachtungen ins Philosophische. Daraus formen sich allerdings keine Porträts und die filmische Neugier wirkt wenig zielgerichtet, aber dank ihrer Fundstücke und der stilistischen Experimentierfreude inspirierend.





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