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You'll never walk alone
You'll never walk alone
© mindjazz pictures

Kritik: You'll never walk alone (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Für seine Dokumentation schicke André Schäfer die Hauptperson seines Films, Joachim Kròl, u.a. nach Liverpool, Dortmund, New York, Wien oder auch Budapest. Eine Weltreise im Dienste der beliebtesten Fußballhymne der Welt. In den jeweiligen Städten sprach der Schauspieler, selbst seit Jahrzehnten großer Anhänger des BVB, u.a. mit Experten, Fans, Fußballern und Zeitzeugen. Darunter der ehemalige BVB-Profi Lars Ricken, Sänger Campino, Liverpool-Trainer Jürgen Klopp aber z.B. auch der Stadionsprecher des FC Liverpool, George Sephton, und Gerry Marsden von "Gerry & the Peacemakers". Schäfer kennt sich aus mit Dokus: Seit den 90er-Jahren realisierte er zahlreiche Beiträge und Dokumentationen für verschiedene Fernsehsender. Von 1999 bis 2001 war er Reporter in der Kulturredaktion des WDR-Fernsehens.

"You’ll never walk alone" ist eine aufwendige, mit unzähligen interessanten und spannenden Geschichte angereicherte Doku, die die Bereiche "Kultur", "Musik", "Sport" und "Geschichte" zu einer gelungenen filmischen Gesamtkomposition vermengt. Das macht die Produktion damit nicht nur für Fußballanhänger und Sportfans interessant. Dabei ist es freilich erstaunlich, wie weit die Geschichte dieses berühmten Liedes zurück in die Vergangenheit reicht. Letztlich lässt sich die Hymne auf den bekannten ungarischen Dramatiker Ferenc Molnár zurückführen, dessen erfolgreichstes Theaterstück "Liliom" ist. Ohne dieses Stücke hätte es wohl das Musical "Carousel" nicht gegeben, ohne das Musical nicht den gleichnamigen Film. Und hätte man den Film nie gedreht, wäre der Sänger der Liverpooler Band "Gerry & the Peacemakers" nie darauf gekommen, die Schnulze als massentaugliche Hochglanz- und Edel-Ballade neu aufzunehmen.

Das alles dröselt Schäfer akkurat und sorgsam auf. Zudem zeigt er in seinem Film immer wieder auch Ausschnitte aus neueren Aufführungen des entsprechenden Theaterstück sowie des Musicals. Damit der Zuschauer nachvollziehen kann, wovon hier die Rede ist. Diese Ausschnitte reichert er mit nostalgischen Archivaufnahmen und Szenen aus legendären Fußballspielen an. Mit Joachim Król fand er genau den richtigen Mann für die Interviews, denn dem aus Herne stammenden Fußballfan merkt man zu jeder Zeit die Leidenschaft für das Thema an. Auch wenn Schäfer und Kròl kein Geheimnis aus ihrer Liebe zum BVB machen. Das erkennt man u.a. teilweise an der Auswahl ihrer Interviewpartner. Denn zu Wort kommen einige der beliebtesten Figuren in der Geschichte des Fußballvereins: Lars Ricken und Jürgen Klopp. Zudem spricht Kròl mit einem BVB-Anhänger, der jetzt in jener Dortmunder Wohnung lebt, in der der BVB 1909 einst gegründet wurde.

An dieser Stelle fragt man sich, was das mit der Hymne bzw. der Thematik des Films genau zu tun hat, außer dass der BVB im selben Jahr gegründet wurde, in dem auch Molnárs Stück Premiere feierte. Andererseits aber sorgen die sympathischen Gesprächspartner George Sephton und – vor allem – Gerry Marsden mit ihren emotionalen Aussagen und teils skurrilen Anekdoten, für viel Heiterkeit. Gefühlvoll und besonders eindringlich wird es, wenn Sephton, der seit vielen Jahrzehnten als Stadionsprecher von Liverpool fungiert, das Lied für Król in seiner Sprecherkabine spielt. "2:48 Minuten pure Magie", sagt er und man sieht ihm seine Liebe und Leidenschaft unmittelbar und zweifelsfrei an. Für den Fußball, den FC Liverpool und damit natürlich auch für "You’ll never walk alone".

Fazit: Aufwendige, genau recherchierte und hoch informative Doku über die populärste Fußballhymne aller Zeiten, angereichert mit tollen Archivaufnahmen und vielen heiteren Anekdoten.





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