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The End of Meat - Eine Welt ohne Fleisch
The End of Meat - Eine Welt ohne Fleisch
© mindjazz pictures

Kritik: The End of Meat - Eine Welt ohne Fleisch (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Schon in seinem Bestseller "Vegan! – Vegane Lebensweise für Alle” (2010) befasste sich Autor und Filmemacher Marc Pierschel mit den Folgen des weltweiten Fleischkonsums. Im Jahr zuvor veröffentlichte er veganes Kochbuch. "The End of Meat" ist Pierschels dritter Film, zuvor realisierte er die Dokus "Live and let live" sowie "184". Seit jeher befasst sich der studierte Soziologe vorrangig mit den Themen Veganismus, ethischem Konsum und dem "Mensch-Tier-Verhältnis".

Die Beispiele alternativer Lebensarten und selten gesehener Möglichkeiten des Zusammenlebens von Mensch und Tier, die Pierschel hier vorstellt, sind spannend mit anzusehen. Sie beweisen, dass es durchaus möglich ist, bei Nutztieren eben nicht nur das "Nutzen" für den Menschen zu sehen – sondern sie als gleichberechtigte Wesen im Einklang mit Natur und Mensch leben zu lassen. Im Film zu sehen ist u.a. ein Hof in Kanada, auf dem sich Nutztiere auf einem riesigen Areal aufhalten und einfach nur eines tun: friedlich vor sich hin leben. Ohne geschlachtet und vom Menschen ausgebeutet zu werden. Oder die freie Autorin Hilal Sezgin, die auf ihrem Hof eine ganz ähnliche Lebensweise Realität werden lässt. Die Frage ist hier natürlich immer: handelt es sich um lediglich wenige Extrembeispiele und wie viele anderen Menschen können es sich noch vorstellen, so zu leben?

Besonders interessant ist der Gedankengang, in Zukunft Fleischersatz im Labor zu erzeugen. Quasi vorbei an den Nutztieren. Das Ziel: Massentierhaltung, der traditionellen Fleischproduktion und den brutalen Schlachtungsmethoden ein Ende zu bereiten. Und damit auch dem maßlosen Fleischkonsum. Mit Hilfe biotechnologischer Forschung und moderner Genmanipulation, sollen Produkte tierischen Ursprungs also bald massenweise produziert werden können? Dass das nicht nur reine Utopie sondern durchaus umsetzbar ist, wurde schon 2013 bewiesen: in jenem Jahr züchteten Wissenschaftler im Labor bereits einen ersten Rindfleischburger. Zwar für horrende Summen, aber umsetzbar ist es. Dies bekräftigen auch die im Film dazu befragten Wissenschaftler und Fachleute.

Weiterhin geht Pierschel auf den Aspekt der möglichen positiven Folgen von Fleischverzicht auf unsere Umwelt, ein. "Pflanzliche Ernährungsweisen könnten die Treibhausgas-Emissionen radikal reduzieren", sagt einer der befragten Experten im Film. An dieser Stelle wäre es wünschenswert gewesen, den ein oder anderen Fachmann mehr zu diesem Thema zu hören. Oder einen Experten, der auf der "anderen Seite" steht, also ein bekennender Fleischesser ist. Indem beide Seiten zu ein und demselben Thema befragt worden wären, hätte man ein wenig mehr ausgewogene Sachlichkeit und Objektivität in den Film gebracht. Dies betrifft auch andere Aspekte und Stellen im Film, die oft zu wenig kritisch hinterfragt werden: wie realistisch und tatsächlich umsetzbar sind diese Lebenshöfe, in denen Mensch und Nutztier auf Augenhöhe miteinander leben? Wäre wirklich ein Großteil der Menschen auf der Welt bereit, Nutztiere nicht mehr als Sache sondern als (gleichberechtigte) "Personen" zu sehen?

Fazit: Erhellende, gründlich recherchierte Doku mit etlichen spannenden Modellen und Lebensentwürfen, die Alternativen aufzeigen. Lediglich ein wenig mehr Objektivität wäre wünschenswert gewesen. Die ein oder andere kritische Stimme hätte dem Film mehr Glaubwürdigkeit und Ausgewogenheit verliehen.





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