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Unter aller Augen
Unter aller Augen
© mindjazz pictures

Kritik: Unter aller Augen (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Es sind erschreckende Zahlen, die zu Beginn von "Unter aller Augen" genannt werden: Demnach erfahren 40% aller Frauen in ihrem Leben Gewalt durch ihren Lebenspartner. Claudia Schmid gibt einigen dieser Frauen mit ihrem Dokumentarfilm nun ein Gesicht und lässt ihre Protagonistinnen zudem ausführlich zu Wort kommen.

"Heute stehe ich vor der Kamera und rede", stellt da etwa Minara aus Bangladesch fest und ist sichtlich erleichtert, dass sie endlich offen über das Leid sprechen darf, das ihre angetan wurde. Die Geschichte der jungen Frau, die mit 14 Jahren zum ersten Mal zwangsverheiratet wurde, steht dabei gleichberechtigt neben den Schicksalen der anderen Frauen im Film.

Dadurch wird einerseits deutlich, auf welch vielfältige Weise sich Gewalt gegen Frauen Bahn bricht: Ob im Chaos des kongolesischen Bürgerkriegs oder im adretten deutschen Wohngebiet, ob in Form körperlicher Angriffe oder psychischer Manipulation – Frauenverachtung kennt viele Gesichter. Zum anderen macht Schmid klar, dass all diese Facetten des Unrechts doch stets erst durch die Gesellschaft ermöglicht werden, in der sie stattfinden. Während die Misogynie mancherorts durch kulturelle sowie religiöse Traditionen geradezu genährt wird, so scheint zumindest überall eine gewisse Toleranz gegenüber gewaltbereiten Männern zu bestehen.

Schmids zurückhaltend inszenierter Film, der ganz von den ergreifenden, mitunter schwer erträglichen Erzählungen der Protagonistinnen lebt, lässt sich daher nicht einfach nur als Aufzeichnung des Unrechts verstehen. "Unter aller Augen" ist zugleich ein eindrückliches Plädoyer dafür, das Leid der Opfer anzuerkennen, und ein Aufruf dazu, nicht mehr wegzuschauen.

Fazit: Claudia Schmid zeigt mit ihrem Film, auf welch vielfältige Weise Frauen auf der ganzen Welt unter Gewalt leiden. "Unter aller Augen" gibt dabei den Opfern die Gelegenheit, endlich offen über das Unrecht zu sprechen, das ihnen angetan wurde. Zugleich lässt sich der ergreifende, mitunter schwer erträgliche Dokumentarfilm als Plädoyer dafür verstehen, nicht einfach wegzuschauen.





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