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Kritik: Haus ohne Dach (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Haus ohne Dach" ist Soleen Yusefs Abschlussfilm an der Filmakademie Baden-Würtemberg und zugleich das Kinodebüt der deutsch-kurdischen Filmemacherin. In ihrem Roadmovie verknüpft die Regisseurin und Drehbuchautorin einen intimen, von Vertrautheit geprägten Blick auf ihre nordirakische Heimat mit den Konventionen des deutschen Kinos: "Haus ohne Dach" funktioniert über weite Strecken und ziemlich reibungslos als typisches Familiendrama, lediglich der kurdische Soundtrack und die großartigen Landschaftsaufnahmen mögen das deutsche Publikum da ein wenig irritieren.

So professionell und ambitioniert dieser Erstling anmutet, so zäh ist er jedoch mitunter auch. Das Tempo ist oft zu schleppend, die Erzählung droht bei all den langen Einstellungen immer wieder beinahe zum Stillstand zu kommen. Ein wirklich schlechter Film ist "Haus ohne Dach" dabei zwar nicht, doch seine Schwächen sind zu offensichtlich, um einfach über sie hinwegzusehen – durch Zeitlupen und allzu viele betroffene Blicke der Protagonisten werden Trägheit und Monotonie des Plots zusätzlich betont.

Man könnte Yusefs Film also als wenig bemerkenswertes Mittelmaß abtun und schnell wieder vergessen. Doch der Regisseurin und ihren guten Darstellern gelingen auch eine ganze Reihe von starken, besonderen Momenten: Gelungen ist beispielsweise, wie hier Zeitgeschehen in die Handlung eingeflochten wird. Die Eroberung Mossuls durch den IS, die während der Dreharbeiten stattfand, etwa ist als Hintergrundrauschen stets präsent und verleiht "Haus ohne Dach" ohne falsche Aufdringlichkeit eine gespenstische Note.

Fazit: Soleen Yusefs Kinodebüt ist ein typisches Familiendrama, das zwar professionell, aber zugleich auch sehr konventionell von drei deutsch-kurdischen Geschwistern und ihrer gemeinsamen Reise in die nordirakische Heimat erzählt. Während "Haus ohne Dach" sich mitunter als allzu zäh und monoton erweist, gelingen der Regisseurin und ihren guten Darstellern jedoch auch einige starke Momente. So wird dieses Roadmovie trotz offensichtlicher Schwächen dennoch sehenswert.





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