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Das unerwartete Glück der Familie Payan
Das unerwartete Glück der Familie Payan
© Wild Bunch

Kritik: Das unerwartete Glück der Familie Payan (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Regiedebüt von Nadège Loiseau ist eine amüsante, überwiegend gelungene Komödie über eine französische Familie, in der sich später Nachwuchs ankündigt. Nicoles unverhoffte Schwangerschaft im Alter von fast 50 Jahren sorgt für noch mehr Durcheinander in einem Haus, in dem es tendenziell sowieso schon drunter und drüber geht. Denn bei den Payans wohnen mehrere Generationen unter einem Dach und jedes Familienmitglied verlässt sich aus alter Gewohnheit darauf, dass Nicole die Dinge des Alltags regelt.

Auf den anfänglichen Schock, den die Schwangerschaft dem Ehepaar bereitet, folgt bald der nächste. Denn Nicole muss sich schonen und das Bett hüten. Der arbeitslose Jean-Pierre vertritt sie nicht sehr erfreut in ihrem Job an der Mautstelle und ächzt unter der anstrengenden Arbeit im Haushalt. Der Druck auf die längst erwachsene Tochter Arielle wächst, endlich auszuziehen und sich selbst um ihr Töchterchen zu kümmern. Nicole soll sich nicht aufregen und bekommt ein Gerät ums Handgelenk geschnallt, das zur Warnung piept, wenn der Blutdruck steigt. Der Piepton erklingt sehr oft, was dem Film als lustiger nonverbaler Kommentar zum turbulenten Geschehen dient. Mit dem Chaos, das bei den Payans regiert, erinnert diese Geschichte ein wenig an die deutsche Komödie "Die Welt der Wunderlichs".

Der Film scheut sich nicht davor, auch ernste Themen zu berühren wie Arbeitslosigkeit und Angst vor Jobverlust, die Leiden der gehbehinderten Großmutter, die Vernachlässigung des Mädchens Zoé durch die eigene Mutter. Den vergnüglichen Mittelpunkt der Handlung aber bildet die Beziehung des Ehepaars, das schon lange durch dick und dünn geht, sich immer noch liebt und nun dennoch an seine Grenzen kommt. Karin Viard spielt Nicole als fröhliche Frau, die zugleich unentwegt versucht, die Stimme der Vernunft in dieser Familie zu sein. Philippe Rebbot stattet Jean-Pierre mit einer guten Portion sympathischer Unbeholfenheit aus.

Dieses Kleine-Leute-Milieu und die Herzlichkeit, mit der die Payans den schwierigen Zeiten trotzen, verleihen der Komödie eine emotional überzeugende Atmosphäre. Man verspürt beim Zuschauen zwar nicht gerade den Wunsch, ein Teil dieser nervigen Familie zu sein. Aber die Selbstverständlichkeit, mit der ihre Mitglieder zusammenhalten, bewahren das vergnügliche und letztlich harmlose Geschehen davor, ins Schrille abzurutschen.

Fazit: Das Langfilmdebüt der französischen Regisseurin Nadège Loiseau erzählt eine recht vergnügliche Geschichte über eine Familie am Rande des Chaos. Karin Viard überzeugt in der Rolle der fröhlichen Nicole, die auf die Menopause wartet und unverhofft noch einmal schwanger wird. Sie führt ein funktionierendes komödiantisches Ensemble an, in welchem die Figuren zusammenhalten und dennoch täglich im Clinch miteinander liegen. Die breite Streuung der Probleme in diesem kleinbürgerlichen Milieu und der herzliche Humor, mit dem sie geschultert werden, sorgen für kurzweilige Unterhaltung, die weder allzu seicht, noch tiefgründig wirkt.





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