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David Lynch - The Art Life
David Lynch - The Art Life
© NFP marketing & distribution

Kritik: David Lynch - The Art Life (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Sigmund Freud hätte eine wahre Freude an diesem Dokumentarfilm, gibt David Lynch darin doch seinen eigenen Psychoanalytiker. Es ist geradezu frappierend, wie sehr dessen Kindheitserinnerungen den Plots späterer Filme ähneln. Wenn eine nackte, von ihrem Ehemann geprügelte Frau in die idyllische, nur wenige Häuserblocks umfassende Welt des kleinen David eindringt, könnte dieses prägende Erlebnis auch Kyle MacLachlans Situation in Lynchs "Blue Velvet" (1986) beschreiben. Auch weitere Ausführungen des Regisseurs, vom Umzug aus dem sonnigen Idaho ins finstere Virginia über die Lethargie im ersten eigenen Bostoner Appartement bis zur niederdrückenden Stimmung in einem dreckigen, heruntergekommenen Philadelphia, lassen sich allzu reibungslos als Spiegelung des Privaten im Künstlerischen lesen. Die zwar zurückgenommene, nur äußerst spärlich eingesetzte, aber dunkel dräuende Musik stützt diese Interpretation.

Jon Nguyen, Rick Barnes und Olivia Neergaard-Holm, allesamt Regienovizen, konzentrieren sich vollkommen auf ihren Untersuchungsgegenstand. Außer Lynch kommt niemand zu Wort. Außer ihm ist vor der Kamera lediglich seine kleine Tochter zu sehen, wenn sie mit dem berühmten Vater im Atelier werkelt. Auf einen einordnenden Kommentar verzichten die Filmemacher ebenso wie auf (kritische) Nachfragen aus dem Off. Wer Lynch nicht kennt, könnte ihn also zunächst lange Zeit ausschließlich für einen bildenden Künstler halten. Inwieweit Lynchs Aussagen einem Abgleich mit der Wirklichkeit standhalten oder nur weiter zur eigenen Legendenbildung beitragen, bleibt unbeantwortet.

"David Lynch – The Art Life" bleibt aber auch an anderen Stellen Antworten schuldig, weil er allzu sehr der Aura seiner Hauptfigur verfällt und darüber Zusammenhänge aus den Augen verliert. Wie David Lynch zur Kunst und zu den im Film gezeigten Kunstwerken gelangte, rekapituliert die Mischung aus Lynchs Voice-over, wunderschönen gegenwärtigen Aufnahmen und (privaten) Archivaufnahmen anschaulich. Welchen Stellenwert die Gemälde – etwa auf dem Kunstmarkt – haben, wie intensiv Lynch daran nach dem Beginn seiner Filmkarriere noch gearbeitet hat und ob seine Produktion nach seiner langen Pause im Filmgeschäft wieder zugenommen hat, all das erfahren wir aus dem Film nicht.

Wer Lynch, dessen Filme und Gemälde nicht kennt, dem wird der Zugang zu dieser Dokumentation schwerfallen. Wer sich bereits mit ihm befasst hat, erfährt wenig Neues über Leben und Schaffen dieser Ausnahmeerscheinung, das nicht schon in diversen Büchern steht oder von Lynch selbst in unzähligen Interviews geäußert wurde, erhält dafür aber intime Einblicke in seine Beschäftigung mit bildender Kunst.

Fazit: "David Lynch – The Art Life" ist ein intimes, aber auch sehr subjektives und dadurch einseitiges Porträt des titelgebenden Regisseurs und dessen Leben als bildender Künstler. Die Filmemacher setzen einiges an Vorwissen voraus, was vielen Zuschauern den Zugang erschweren dürfte. In ihrer Fixierung auf die Hauptfigur verlieren sie zudem die Gesamtzusammenhänge aus dem Blick.





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