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Hampstead Park   Aussicht auf Liebe
Hampstead Park Aussicht auf Liebe
© Splendid Film

Kritik: Hampstead Park - Aussicht auf Liebe (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Hampstead Park – Aussicht auf Liebe" ist – im besten Sinne – ein altmodischer Film: Das an eine wahre Geschichte angelehnte Drehbuch von Robert Festinger bietet ein sympathisch gezeichnetes Hauptfiguren-Duo; die Inszenierung von Joel Hopkins ("Liebe auf den zweiten Blick") ist gediegen und wartet mit malerischen Bildern des edlen Londoner Stadtteils Hampstead auf. Dass das Werk dabei zu keiner Sekunde zu einer harmlos-drögen Angelegenheit wird, ist drei Faktoren zu verdanken.

Zum einen verfügt Robert Festingers Skript über zahlreiche herrliche Dialoge sowie über viel Wortwitz: Wenn die Protagonistin Emily mit dem Snobismus ihrer Nachbarschaft konfrontiert wird oder wenn sie sich mit dem verschrobenen Parkbewohner und Selbstversorger Donald einen verbalen Schlagabtausch liefert, wirkt das stets frisch und unterhaltsam. Die (kommunal-)politische Dimension des Filmes mag nicht allzu sehr in die Tiefe gehen; dennoch werden hier aktuelle, wichtige Themen angesprochen: Das Alte soll vom Neuen, Luxuriösen verdrängt werden – auf ein Leben außerhalb der Norm, wie Donald es zu führen versucht, wird voller Unverständnis herabgeblickt. Zum anderen zeigt Joel Hopkins in der Umsetzung des Plots immer wieder sein Talent für visuelles Erzählen: Wenn es etwa zu Beginn in Emilys Wohnung hereinregnet und Emily kurzerhand eine große Pflanze an die tropfende Stelle rückt, wird damit nicht nur die kritische Wohnsituation der verschuldeten Heldin eingeführt, sondern zugleich deren gesunder Pragmatismus demonstriert.

Der dritte Grund, weshalb "Hampstead Park" so wunderbar funktioniert, ist das Ensemble. Seit jeher schafft es Diane Keaton – ob in Woody-Allen-Komödien oder in dramatischen Stoffen –, ihrem Spiel etwas Improvisiert-Unbändiges zu verleihen. Die Rolle einer Frau, die im gehobenen Alter einen Neuanfang wagt, hat Keaton (etwa in "Was das Herz begehrt" oder "Das grenzt an Liebe") gewiss schon häufiger verkörpert; gleichwohl ist ihre Performance auch hier überaus inspiriert. Ebenso gibt der irische Charakterdarsteller Brendan Gleeson ("The Guard") den kauzigen Eremiten, der aus seinem Heim vertrieben werden soll und den Konflikt zunächst scheut, mit spürbarer Lust. Die Chemie zwischen Keaton und Gleeson stimmt. Die Figur des Steuerberaters James, der Emily eindeutige Avancen macht, wird von dem Briten Jason Watkins etwas zu sehr ins Karikatureske getrieben; höchst amüsant sind indes Lesley Manville ("Another Year") als blasierte Pseudo-Freundin von Emily und Hugh Skinner als junger Aktivist.

Fazit: Eine charmant inszenierte Dramedy mit hinreißenden Dialogen und guter Besetzung. Diane Keaton und Brendan Gleeson erweisen sich als tolles Paar.





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