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Das schaffen wir schon
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© drei-freunde

Kritik: Das schaffen wir schon (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

In "Das schaffen wir schon" richtet sich der Hass der Geiselnehmerin nicht gegen den Finanzmarkt oder raffgierige Geldhaie (siehe "Money Monster" mit George Clooney) sondern gegen die Unfähigkeit der Politik. Und: gegen prekäre Arbeitsverhältnisse sowie die in Deutschland vorherrschende soziale Ungerechtigkeit. Regisseur Andreas Arnstedt wollte laut eigener Aussage mit seiner Polit-Satire die "Absurditäten des Polit-Alltags" aufzeigen. "Das schaffen wir schon" ist sein vierter Spielfilm, davor war er viele Jahre als Schauspieler aktiv (u.a. "Die Wache", "Balko"). Der Filmtitel ist eine Anspielung auf die von Kanzlerin Merkel auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise ausgegebene Durchhalte-Parole "Wir schaffen das".

Schade ist, dass der Film nicht sonderlich viel Zeit für die Einführung und Etablierung der Figuren, verwendet. Es vergehen nur knapp 15 Minuten, bis die Geiselnehmerin im Studio die Pistole zückt und das Chaos in Gang gesetzt wird. Eine ausgiebigere Vorstellung und Charakterisierung zumindest der wichtigsten Protagonisten – vom Produzenten der Show über den selbstverliebten Moderator bis hin zum ermittelnden Polizisten – wäre ratsam gewesen.

Mehr Hintergrundwissen, hätte hier zu mehr Empathie und Nähe zu den Figuren geführt. Und zu einem höheren Identifikationspotential für den Zuschauer, das eine Gleichgültigkeit den handelnden Personen gegenüber, verhindert. So lässt ihn das Schicksal einzelner Akteure alles in allem vermutlich doch eher kalt. Ganz im Gegenteil zum Schicksal der Amok-laufenden Susanne Kleinke. Sie steht quasi stellvertretend für all jene in Deutschland, die sich entweder von Leiharbeit zu Leiharbeit hangeln müssen, immer wieder nur befristet angestellt sind oder trotz einer Vollzeitstelle von ihrem Einkommen nicht leben können. Dabei handelt es sich um einen klugen Schachzug der Macher, für den – eigentlich ja klassischen – "Feind" bzw. Antagonisten im Film (den Geiselnehmer), Sympathie entstehen zu lassen. Berechtigte Sympathie.

Auch wenn es im weiteren Verlauf mitunter etwas arg klamaukig und überzogen hektisch zugeht: Gerade in der zweiten Hälfte lebt der Film auch von seinen irrwitzigen, bizarren Einfällen. Etwa den Problemen beim Entschärfen eines technisch besonders anspruchsvollen Sprenggürtel-Systems, aus dem sich die Geiseln befreien müssen. Oder wenn der Chef der verhassten Zeitarbeitsfirma plötzlich an einer Stelle landet, an die er – so die Ansicht von Kleinke – schlicht auch hingehört: mit dem Kopf in der Toilette eines Dixie-Klos. Dieses wurde ins Fernsehstudio geschafft, damit die Beteiligten während der Geiselnahme ihre Notdurft verrichten können.

Fazit: Die teils etwas Tumult-artige, teils aber treffend schwarzhumorige Polit-Satire "Das schaffen wir schon", ist zu weiten Teilen gelungen. Bissig und augenzwinkernd, legt sie die Paradoxien und den Wahnwitz des Polit-Zirkus offen und verschafft all jenen eine Stimme, die von sozialer Ungerechtigkeit betroffen sind sowie in prekären Arbeitsverhältnissen leben. Nur die Einführung der Charaktere hätte mehr Zeit verdient gehabt.





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