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Fahr ma obi am Wasser
Fahr ma obi am Wasser
© Konzept + Dialog. Medienproduktion

Kritik: Fahr ma obi am Wasser (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Walter Steffens Dokumentarfilm "Fahr ma obi am Wasser" funktioniert wie ein Reiseführer, der den Zuschauern entlang einer Route zu majestätischer Musik atemberaubende Landschaftsaufnahmen, mal zu Lande, mal zu Wasser, mal aus der Luft, und historische Fakten liefert. Als Wissensvermittler dienen Steffen zwei Erzähler aus dem Off, zahlreiche Interviewpartner und zum Teil bislang unveröffentlichtes Archivmaterial, das er seinen aktuellen Aufnahmen unterhebt.

Herausgekommen ist eine seltsame Mischung. Einerseits gelingt es "Fahr ma obi am Wasser", ein üppiges und lebendiges Bild der Flößerei zu vermitteln. Andererseits hätte man sich manchmal eine stärkere Reduktion gewünscht. Ein wenig scheint es so, als habe Steffen all sein Wissen über dieses Jahrhunderte alte Handwerk mit aller Gewalt in eineinhalb Stunden Film pressen wollen. Allein 23 Anrainer kommen zu Wort, werden teils nur bei ihrem ersten Erscheinen namentlich erwähnt, auch wenn sie später an ganz anderer Stelle noch einmal auftauchen, und sorgen dadurch – wie die auf historisch getrimmten Aufnahmen der Floßfahrt und der stetige Wechsel einer männlichen und weiblichen Erzählstimme – für Irritationen.

"Fahr ma obi am Wasser" legt seinen Fokus klar auf die Geschichte der Flößerei und die der beiden Flüsse Isar und Loisach. Zwar räumt Steffen den drei Floßmeistern Michael Angermeier und Franz und Josef Seitner mehr Raum als anderen Gesprächspartnern ein, versäumt es aber, tiefer in ihr Leben einzudringen. Viele ihrer wie auch die Aussagen der Übrigen bleiben (zu) anekdotenhaft, mehr der Vergangenheit verhaftet als in die Zukunft gerichtet. Dadurch wirken die Befragten stets ein wenig wie bloße Stichwortgeber vor Postkartenmotiven.

Fazit: "Fahr ma obi am Wasser" vermittelt ein üppiges und lebendiges Bild eines auf der Isar beinahe ausgestorbenen Gewerbes. Regisseur Walter Steffen konzentriert sich dabei ein wenig zu sehr auf die historischen Fakten und vergisst die Menschen dahinter.





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