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Kritik: Darkland (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Darkland" stammt vom dänischen Filmemacher Fenar Ahmad, der seinen Rache-Thriller teils an Originalschauplätzen in Kopenhagen inszenierte. Für den 36-jährigen Filmemacher, der irakische Wurzeln hat, ist es der zweite Spielfilm. Zuvor inszenierte er vor allem Kurz- und Dokumentarfilme. Die Hauptrolle in "Darkland" spielt Dar Salim, der zuvor bereits in Hollywood-Popcorn-Movies wie "Exodus", mitgespielt hat. Auch in deutschen Erfolgsfilmen war er schon zu sehen. Darunter: "Honig im Kopf" oder auch "Lommbock".

Rein vom Inhalt und seiner reduzierten Handlung her, gebärdet sich "Darkland" scheinbar zunächst wie typische Ein-Mann-Armee-Actioner á la "Taken" mit Liam Neeson oder so ziemlich jeder Film mit Steven Seagal. Doch auf den zweiten Blick offenbart sich, dass hinter der Rachefilm-Oberfläche auch Elemente und Versatzstücke eines eindringlichen Dramas sowie einer Milieu-Studie, stecken. Einer Milieu-Studie, die in einer Welt voller finsterer Gestalten und zwielichtiger Krimineller angesiedelt ist. Dieser gehörte der Bruder der Hauptfigur an.

Das Gegenteil dieser finsteren Welt ist die Lebensrealität von Zaid, ein Iraker, dem die Integration in seiner neuen Heimat Dänemark geglückt ist. Er trägt teure Kleidung, wohnt in einem regelrechten Palast von einer üppig ausgestatteten, geräumigen Wohnung und geht voll in seinem Beruf auf. Aufgrund der Unterschiedlichkeit der beiden Brüder – der eine das Paradebeispiel eines Integrierten, der andere ein tragisch gescheiterter Migrant – rückt Regisseur Ahmad auch aktuelle Themen ins Blickfeld. So z.B. Integration, Migrationspolitik und Gegenkulturen, die von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt werden. Stichwort: Parallelgesellschaft. "Darkland" ist zudem gehüllt in trostlose, dunkle Bilder und von Beginn an durchzogen von einer bedrückenden Stimmung und bedrohlichen Atmosphäre.

Dies alles verdeutlicht, dass in "Darkland" mehr Tiefe und Komplexität steckt, als zunächst angenommen. Dennoch kommt die Action hier nicht zu kurz, im Gegenteil: den Rachefeldzug von Zaid inszeniert Ahmad mit Hilfe teils drastischer, aber jederzeit schnörkelloser Kampfszenen, die zum Glück nie zu schnell oder hektisch geschnitten sind. Reduziert ist hier übrigens nicht nur die Handlung. Auch gesprochen wird nicht allzu viel. Anstatt große Worte zu verlieren, übt Zaid lieber Rache an einigen der düstersten Protagonisten der Kopenhagener Unterwelt – mit schwarz bemaltem Gesicht und Boxsport-Fähigkeiten, die der einsame, dunkle Rächer zuvor u.a. in heruntergekommenen, schäbigen Boxhallen erlernte.

Fazit: "Darkland" macht seinem Namen alle Ehre: der düstere, in unheilvolle Bilder gekleidete Film besticht durch schnörkellose Action- und Kampf-Szenen von enormer Eindringlichkeit. Regisseur Ahmad verzichtet jedoch nicht darauf, auf aktuelle politische Themen zu verweisen und eine ambivalente, vielschichtige Hauptfigur in seinem Film zu installieren.





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