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Kritik: Chavela (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die 2012 verstorbene Sängerin Chavela Vargas gilt als Pionierin der mexikanischen Musik und als Ikone der mexikanischen lesbischen Community. Sie trat schon in den 1950er Jahren in Hosen auf, als das in der mexikanischen Gesellschaft noch keine andere Frau wagte. Sie sang traurige Liebeslieder zur Gitarre, mit einer tiefen Stimme und einer weiblichen Eleganz, die völlig frei von rüschenhafter Lieblichkeit war. Sie gab mehreren Filmen von Pedro Almodóvar eine musikalische Stimme und feierte im Alter von über 70 Jahren große Bühnenerfolge in Madrid. Die Filmemacherinnen Catherine Gund und Daresha Kyi erinnern mit ihrem lebhaften, gelungenen Porträt an diese überragende Künstlerin und ihr bewegtes Leben.

Kernstück des auf reiches, vielfältiges Archivmaterial zurückgreifenden Films ist ein mit Chavela Vargas im Jahr 1992 geführtes Interview. So begleitet Vargas' Stimme auch in Voice-Over oft die Schilderung dieses außergewöhnlichen Lebens, das große Höhen und Tiefen umfasste. So erzählt die Sängerin selbst, wie sie als junge Frau aufhörte, sich weiblich zu stylen, weil sie meinte, sie sehe dann wie ein Transvestit aus. Wohl fühlte sie sich in Hosen, mit einem bunten Poncho über den Schultern, die Haare streng nach hinten gekämmt, puristische mexikanische Liebeslieder zur Gitarre vortragend. Eine sehr würdevolle Aura umgibt diese schöne Frau, die mit ihrem originellen Begriff von Weiblichkeit Maßstäbe setzte und die misogyne, machistische mexikanische Gesellschaft auch unweigerlich provozierte.

Eine große innere Einsamkeit war, so erzählen es zahlreiche, hauptsächlich weibliche Weggefährten in diesem Film, der Sängerin zu eigen, die ihr Leben so gesellig und rauschhaft auskostete. Während man die grauhaarige Dame lächelnd und energiegeladen im Bild sieht, ahnt man wenig von dem tiefempfundenen Leid, das in ihren Liedern anklingt. Szenen aus Auftritten in verschiedenen Jahrzehnten belegen, was Almodóvar und andere Interviewte im Film sagen: Chavela Vargas legte so viel emotionale Wahrheit in ihre Lieder, dass dem Publikum schier der Atem stockte. Das bunte, aus vielen Fundstücken wie ein Flickenteppich zusammengesetzte Porträt ist eine Hommage an eine mutige Frau, die ihren eigenen Stil selbstbewusst vertrat und dafür spät die verdiente künstlerische Anerkennung bekam.

Fazit: Catherine Gund und Daresha Kyi tauchen mit diesem schillernden Künstlerporträt in das bewegte Leben der Sängerin Chavela Vargas ein, die in Mexiko, aber auch in Europa einen legendären Ruf besitzt. Die Ranchera-Sängerin trat schon in den 1940er Jahren in Männerkleidung auf und sang mit tiefer Stimme über Einsamkeit und verlorene Liebe. Ihre lesbische Orientierung war ein offenes Geheimnis. Die faszinierende Persönlichkeit und die ausdrucksstarken Lieder dieser großen Künstlerin schlagen das Publikum dieses gelungenen Dokumentarfilms in ihren Bann.





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