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Wie die Mutter, so die Tochter
Wie die Mutter, so die Tochter
© Prokino

Kritik: Wie die Mutter, so die Tochter (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Die Frage, wer hier das Elter, wer das Kind ist, stellt sich bereits bei einem Blick aufs Plakat und setzt sich in den ersten Filmminuten fort. Während Tochter Avril (Camille Cottin) stets adrett gekleidet ihr Leben fest im Griff hat, kurvt Mutter Mado (Juliette Binoche) in einer witzigen Montagesequenz im Teenageroutfit auf ihrem Roller durch Paris. Die eine geht gerade pflichtbewusst zur Arbeit, die andere fällt nach durchzechter Nacht ins Bett. Da verwundert es nicht, dass so mancher Betrachter dieses fleischgewordene Gegensatzpaar nicht für Mutter und Tochter, sondern für Schwestern hält.

Diese Ausgangslage, in der sich der eigene Nachwuchs erwachsener als seine infantilen Erzeuger benimmt, ist nicht ganz neu, erinnert an eine andere französische Erfolgskomödie: Martin Bourbourlons "Mama gegen Papa" (2015). Und auch eine Schwangerschaft in fortgeschrittenem Alter hat es in diesem Jahr bereits aus Frankreich in die deutschen Kinos geschafft: Nadège Loiseaus Regiedebüt "Das unerwartete Glück der Familie Payan". In "Wie die Mutter, so die Tochter" geht es ähnlich chaotisch zu, die Spielfreude und den Witz der beiden erstgenannten Komödien erreicht Noémie Saglios Film allerdings nie.

Den größten Volltreffer landet die Regisseurin mit ihrem Ensemble. Camille Cottin, mit der Saglio bereits zum vierten Mal zusammenarbeitet, glänzt durch ihr facettenreiches Spiel. Gemeinsam mit der nicht minder großartigen Juliette Binoche entfaltet Cottin eine wunderbar realistische Mutter-Tochter-Dynamik. Und auch die Nebenrollen sind mit Michaël Dichter, Philippe Vieux, Lambert Wilson und Catherine Jacob hervorragend besetzt. Zwar geben Wilson und Jacob ihre viel zu flachen Charaktere reichlich übertrieben, nehmen sich dafür aber auch selbst nicht allzu ernst. Was dieser Komödie allerdings fehlt, sind gut geschriebene Dialoge und das nötige Timing.

Auf dem Papier liest sich "Wie die Mutter, so die Tochter" wild und subversiv. Die Umsetzung ist letztlich zu brav, harmoniebedürftig und affirmativ. An sich nichts Schlechtes, wenn es genug zu lachen gäbe. Doch Noémie Saglio und ihrer Koautorin Agathe Pastorino gelingen kaum Pointen, weder verbale noch visuelle. Saglio verlässt sich allzu sehr auf eine Grundstimmung, die den Film nicht bis zum Ende trägt. Dafür verliert sich die Geschichte in zu vielen platten Nebenkriegsschauplätzen samt schrulligen, aber deutlich zu eindimensional angelegten Figuren.

Fazit: Noémie Saglios "Wie die Mutter, so die Tochter" überzeugt durch ein starkes Ensemble, verlässt sich dabei aber zu sehr auf dessen Zusammenspiel, die originelle Ausgangslage und eine harmonische Grundstimmung. Angesichts einer viel zu überfrachteten Handlung und nur wenigen gelungener Pointen gibt es in dieser Komödie nur wenig zu lachen.





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