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Parasol - Mallorca im Schatten
Parasol - Mallorca im Schatten
© eksystent distribution filmverleih

Kritik: Parasol - Mallorca im Schatten (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der erste Spielfilm des belgischen Regisseurs Valéry Rosier handelt von drei Menschen, die es gewohnt sind, im Schatten zu stehen. Auf der Urlaubsinsel Mallorca, wo andere das Leben in vollen Zügen genießen, fällt ihre Außenseiterrolle umso mehr auf. Alfie, Annie und Pere wollen auch dazugehören und nehmen schließlich ihr Schicksal selbst in die Hand. Dadurch geraten sie aber zunächst nur in weitere Schwierigkeiten. Ihre Abenteuer bringen eine spannende Dynamik in einen Film, der sehr zurückgelehnt beginnt und dabei eher die Aussichtslosigkeit der individuellen Lage betont, als ihre Chancen.

So könnte man anfangs durchaus meinen, in einen Film des Österreichers Ulrich Seidl ("Paradies: Liebe") geraten zu sein. Der schüchterne Alfie und die betagte Annie scheinen zu weit entfernt von dem Glück zu sein, dass ihnen vorschwebt. Es wirkt traurig und zugleich komisch überspitzt, wie Alfie immer einsam herumsitzt. Oder wie Annie mit ihrem vermeintlichen Lover online chattet und ihr biederes Aussehen so gar nicht dafür spricht, dass ihre großen Hoffnungen berechtigt sind. Annies Sohn ruft von daheim an und redet der Mutter ins Gewissen. Sie solle sich nicht lächerlich machen, mit ihren 73 Jahren, und sofort heimkehren. Aber Annie legt auf. Man ist so jung, wie man sich fühlt, und außerdem kann auch Siebzigjährigen der Sinn nach Erotik und Zärtlichkeit stehen.

Als Zuschauer möchte man den Protagonisten wiederholt besorgt zurufen, dass sie auf dem falschen Weg sind. Denn sie geraten in Gefahr, drohen abzustürzen. Rosier betrachtet seine Charaktere frei von Zynismus, mit liebevollem Humor und Anteilnahme. Im Grunde kennt jeder ihren Zustand der Einsamkeit oder kann ihn nachvollziehen, ebenso wie ihre Not, nicht wirklich weiterzuwissen. Es gibt eine Rezeptionistin, die sich rührend, aber scheinbar vergeblich um die Einzelgängerin Annie bemüht. Solche humanen Gesten bringen Wärme in die Geschichte und bereiten der Hoffnung sachte einen neuen Weg.

Die drei Episoden werden im ständigen Wechsel erzählt, so dass sich zunehmend ein facettenreiches Gesamtbild der Atmosphäre jenseits der touristischen Hauptsaison ergibt. Die oft statische Kamera hat ein gutes Gespür für die absurde Tristesse, die dem großen Vergnügungsbetrieb irgendwie auch immer innewohnt. Aber die Sympathien des stillen Dramas liegen bei seinen Charakteren, wenn diese anfangen, das Bild mit ihren eigenen Farben zu beleben.

Fazit: Zwei Urlauber und ein Arbeiter im Touristikbetrieb von Mallorca sehnen sich auf der Ferieninsel nach der Sonnenseite des Lebens. Doch ihre Chancen stehen schlecht, weil sie einsam und ratlos sind. Das recht unterhaltsame Spielfilmdebüt des belgischen Regisseurs Valéry Rosier taucht mit ruhigen, atmosphärisch dichten Bildern in seine drei Episoden ein, die langsam Fahrt in Richtung Abenteuer aufnehmen. Die Protagonisten werden mit Wärme und Einfühlungsvermögen begleitet, gerade auch wenn sie in die Irre zu gehen scheinen.





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