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The Wailing - Die Besessenen
The Wailing - Die Besessenen
© Alamode Film © Die FILMAgentinnen

Kritik: The Wailing - Die Besessenen (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Bereits bei seinem Debüt, dem Serienkillerfilm "The Chaser"(2008), bewies Regisseur Hong-jin Na viel Talent und das nötige Gespür fürs Genre. Mit seinem erst dritten abendfüllenden Spielfilm "The Wailing" glückt ihm nun ein spektakulärer Mix, der alle Register des Spannungskinos zieht und nicht davor zurückschreckt, sich jede Menge Zeit zu lassen.

Seelenruhig führt der Regisseur und Drehbuchautor in den kleinen Kosmos einer südkoreanischen Dorfgemeinschaft ein. Mit ihren tumben Polizisten, die im wechselhaften Wetter ihrer Arbeit nachgehen, sind die Anleihen bei Joon-ho Bongs "Memories of Murder" (2003) unverkennbar. Anders als bei seinem Kollegen, der mit "Snowpiercer" und "Okja" längst für Hollywood und US-Streamingdienste arbeitet, mischt sich unter die harte Wirklichkeit aber zusehends das ungreifbare Übernatürliche. Statt kurzer Schockmomente bedient sich Na in seinen wunderschön komponierten Einstellungen eines langsam voranschleichenden Grauens.

Der 1974 geborene Filmemacher erzählt von einer Welt zwischen Tradition und Moderne, zwischen Technikaffinität und Aberglauben. Dabei gönnt er sich die eine oder andere bitterböse Pointe. Das Christentum glaubt im Südkorea des 21. Jahrhunderts längst nicht mehr an den Teufel. Folglich erfolgt der Exorzismus hier nicht mit Bibel und Weihwasser, sondern mit Feuer und Tanz, was dem Publikum diabolisch hypnotische Bilder beschert.

Welcher Partei es am Ende Glauben schenken darf, lässt Na bis zum furiosen Finale offen. Denn jedes Mal, wenn man glaubt, das zwielichtige Spiel der Akteure durchschaut zu haben, zieht das Drehbuch eine weitere Ebene ein. Seine Dramaturgie beruht nur auf den ersten Blick auf unzähligen Wendungen. Bei genauerem Hinsehen handelt es sich schlicht um eine erzählerische Unbestimmtheit, die die Handlung mal in die eine, mal in die andere Richtung offen für Interpretationen lässt.

Fazit: Hong-jin Nas ausgefallener Genremix lässt lange offen, ob seine Handlung in der Wirklichkeit oder im Übernatürlichen fußt. Trotz mancher blutiger Details setzt "The Wailing" auf einen subtilen Grusel, der sich ganz gemächlich entfaltet.





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