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Übriggebliebene ausgereifte Haltungen (2007)

Deutsche Musik-Doku über die in den 80ern gegründete Punk-Band Die Goldenen ZitronenUser-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.3 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 3 Besucher eine Bewertung abgegeben.


So fängt das an: der Dokumentarfilmemacher besucht die Band und die Band haut ab. Schorsch Kamerun sagt: „Ich muss was anderes machen.“ Die Kamera sieht dem abfahrenden Auto hinterher. Schorsch Kamerun und Ted Gaier, die bis heute übriggebliebenen Ur-Zitronen, geben dem Filmemacher (nur) ein mündliches Interview, das im Film vorgelesen, dargestellt wird. Andere Bandmitglieder, Wegbegleiter und Zeitgenossen lassen sich beim Erzählen filmen. Daniel Richter, GZ-Manager der ersten Jahre, fragt, ob er über Privates reden soll, damit es authentisch wird. Der Filmemacher weiß: „Bei Rockumentary kommt es darauf an, an das Authentische anzuknüpfen!“

Also: Anfang. Punk. Aldo Moro war bei einer ‚bedeutenden Band’, die mit Fehlfarben und Abwärts aufgetreten ist (Ratinger Hof). Schorsch Kamerun macht erst mal seine Lehre fertig. Beim ersten Auftritt der Zitronen fehlt der Sänger. Die Zeit ist „humor- und alkoholgetränkt“ (Richter). An jedem Wochenende wird das Mobiliar zertrümmert.
Videoaufnahmen von ersten Konzerten, ein Rundgang mit Aldo Mora durch den ersten Hamburger Aktionsradius der Zitronen. Ale Sexfeind (Drummer bis 1990) erzählt, wie er die Band komplettiert hat. Eckart Holl sagt als Schorsch Kamerun und Ted Gaier, wie der Bandname entstanden ist: als Steigerung der ADAC-Auszeichnung ‚Silbernen Zitrone’ für das schlechteste Auto – „aber das ist relativ unerheblich für so’n Filmprojekt“ (Gaier).

Wogegen war man am Anfang? „Gegen die Sprache der Väter“, sagt Ex-Spex-Autorin Clara Drechsler. „Gegen die übriggebliebenen Hippies“, sagt Nixe von den Mobylettes. Daniel Richter erinnert sich an das heroische „Selbstvergeudungsprinzip“ – für einen schlechten Scherz alles ruinieren.

Man nennt das Fun-Punk. Die linken Freunde des neuen Drummers Ale sind „höflich irritiert“. Aber mit den Lederjacken-Knobelbecher-Linken will man genauso wenig zu tun haben wie mit den Hardcore-Punks, die musikalisch zu „kompakt“ sind und die ihren Drogenmissbrauch „politisch verbrämten“ (A. Mora).
Man findet ein Label (Weser), dem man als „Band die nervt“ empfohlen wird, geht auf schnell zusammengeschobene Touren, spielt aber auch auf Solikonzerten für Politische Gefangene (Video von 1985).
Während der Proben zur 2006-CD LENIN erinnert sich Mense Reents (GZ-Mitglied seit 2000) an seine frühe Begeisterung für die Zitronen – 1986, mit 16, auf dem Land, wo alles Kulturelle in der Hand der Alt-Hippies lag.

Zwischenfrage: Trägt sich die Band eigentlich selbst? Der heutige Schlagzeuger Stephan Rath: „Keiner von den Zitronen kann nur von den Zitronen leben.“ Der Erfolg kommt 1986, da war man gegen den Modern-Talking-Hype: AM TAG, ALS THOMAS ANDERS STARB. Muss nachgepresst werden, die BILD-Zeitung schafft Öffentlichkeit, aber die Charts werden verpasst, weil das mit dem „100% Hippie-Scheiße“-Aufkleber zu lange dauert.

Solche Anekdoten bekommt man im Rockumentary natürlich gerne erzählt. Im Fall der Aufkleber ist es Fabsi, der auf einer Party (passenderweise ist es der 40. Geburtstag von Ale) interviewt wird. Überhaupt: das Lebensgefühl. Um die Forderung nach einem authentifizierten Durchgriff auf die alten Zeiten zu unterlaufen, lässt der Filmemacher die Interviewpassagen mit den beiden Gründungs- und jetzt-noch-Mitgliedern Schorsch Kamerun und Ted Gaier von seinem Schwiegervater nachsprechen, der mit Sicherheit nirgendwo in der Popgeschichte verortet ist...

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Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Deutschland
Jahr: 2007
Genre: Dokumentation
Länge: 89 Minuten
FSK: 6
Kinostart: 06.11.2008
Regie: Peter Ott
Darsteller: Hans Platzgumer, Ale Sexfeind, Daniel Richter
Verleih: Salzgeber & Co

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