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The Halfmoon Files (2007)

Dokumentation: Während des 1. Weltkriegs zogen deutsche Sprachwissenschaftler feindliche Kolonialsoldaten für den Aufbau eines "Lautarchiv" heran, in dem alle Sprachen der Welt dokumentiert werden sollten. Filmemacher Philip Scheffner analysiert die angeblich dokumentarischen Aufnahmen um ihren fiktionalen, rassistisch gefärbten Kern herauszuarbeitenUser-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.5 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 6 Besucher eine Bewertung abgegeben.


"Es war einmal ein Mann.
Er geriet in den europäischen Krieg.
Deutschland nahm diesen Mann gefangen.
Er möchte nach Indien zurückkehren.
Wenn Gott gnädig ist, wird er bald Frieden
machen.
Dann wird dieser Mann von hier fortgehen."
Knisternd verklingen die Worte von Mall Singh, gesprochen in einen Grammophontrichter am 11. Dezember 1916 in der Stadt Wünsdorf bei Berlin. 90 Jahre später ist Mall Singh eine Nummer auf einer alten Schellackplatte in einem Archiv, eine unter Hunderten von Stimmen von Kolonialsoldaten des 1. Weltkrieges.Die Aufnahmen entstanden auf Betreiben des Sprachwissenschaftlers Wilhelm Doegen in einer einmaligen Allianz aus Militär, Wissenschaft und Unterhaltungsindustrie. Als Leiter der „Königlich Preußischen Phonographischen Kommission“ plante Doegen ein Tonarchiv „sämtlicher Völker der Erde“ aufzubauen. Für die Aufnahmen wurden auch feindliche Kolonialsoldaten aus einem in Wünsdorf eingerichteten Kriegsgefangenenlager vor Mikrophone gebeten. Männer, die von den Kolonialmächten aus ihrer Heimat nach Europa verschleppt wurden um Kriege für und gegen Länder zu führen, die sie bis dahin noch nie betreten hatten. Philip Scheffner folgt in seiner experimentellen Spurensuche "The Halfmoon Files" diesen Stimmen an den Ort ihrer Aufnahme.Die Aufnahmen entstanden in einer einmaligen Allianz aus Militär, Wissenschaft und Unterhaltungsindustrie. Philip Scheffner folgt in seiner experimentellen Spurensuche "The Halfmoon Files" diesen Stimmen an den Ort ihrer Aufnahme.Wie in einem Memoryspiel, das bis zum Ende unvollständig bleibt, deckt er Bilder und Töne auf, in denen die Geister der Vergangenheit zum Leben erwachen. Spiralförmig schrauben sich die Worte seiner Protagonisten ineinander. Diejenigen, die den Aufnahmeknopf drückten an ihren Grammophonen, an ihren Foto- und Filmkameras, haben die offizielle Geschichte geschrieben.Mall Singh und die anderen Kriegsgefangenen aus dem Halbmondlager sind aus dieser Geschichte verschwunden. Ihre Geister scheinen mit dem Filmemacher zu spielen, ihm aufzulauern. Sie folgen ihm auf seinem Weg, die Stimmen in ihre Heimat zurückzubringen.Doch die Handlung der Geschichte entgleitet dem Erzähler. Und die Geister lassen sich nicht vertreiben.
"Wenn ein Mensch stirbt,
irrt er herum und wird ein Geist.
Es ist die Seele, die umherschweift.
Diese Seele ist wie ein Lufthauch.
Der Geist ist wie die Luft, die uns umgibt.
Er kann überall hingehen."

(Bhawan Singh, Wünsdorf 1917/ 2007)

Bildergalerie zum Film

Halfmoon Files - Der Indologe Heinrich Lüders bei der...ager.Halfmoon Files - Der Indologe Heinrich Lüders bei der...lager

Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Deutschland
Jahr: 2007
Genre: Dokumentation
Länge: 87 Minuten
Kinostart: 20.09.2007
Regie: Philip Scheffner
Verleih: Freunde der deutschen Kinemathek

ZusatzinformationAlles anzeigen

Zur Zeit des ersten Weltkriegs wird das Osmanische Reich zum Bündnispartner Deutschlands.
Der Islam wird als wichtige strategische Waffe gegen Frankreich, England und Russland definiert.
[...mehr] />Der „Djihad“ - der heilige Krieg – wird  Teil deutscher Kriegsstrategie. Im November 1914  wird der Djihad in Konstantinopel ausgerufen. Die muslimischen Soldaten aus den Armeen Englands, Frankreichs und Russlands werden dazu aufgefordert die Seiten zu wechseln und gemeinsam mit dem Osmanischen Reich und seinem Bündnispartner Deutschland gegen die Feinde des Islams in den Krieg zu ziehen. Als Teil der Djihad Strategie werden gefangen genommene Muslime zusammen mit indischen und nordafrikanischen Soldaten der Armeen Frankreichs und Englands in Sonderlagern interniert. Diese so genannten „Kolonialsoldaten“ sollen zu Aufständen gegen ihre Kolonialherren bewegt werden. Die internierten Soldaten sollen in den Sonderlagern u.a. durch die Unterstützung ihrer jeweiligen religiösen Praktiken zum Überlaufen bewogen werden.
Am 13.Juli 1915 wird die erste Moschee auf deutschem Boden – die tatsächlich für die Ausübung von Religionspraktiken gedacht ist, eingeweiht. Die Erfolge der Propagandatätigkeit sind spärlich – aber Interesse an den Gefangen wird von anderer Seite angemeldet. Die Lager werden zunehmend von Wissenschaftlern frequentiert.
Die internierten ‚“exotischen“ Kriegsgefangenen werden Gegenstand von verschiedenen wissenschaftlichen’ Studien.
So werden u.a. Sprachaufnahmen der Gefangenen durch die ‚Königlich Preussische Phonographische Kommission’ durchgeführt. Die Kommisssion wird 1915 gegründet und versammelt über 30 Wissenschaftler aus den Bereichen Anthropologie, Sprach- und Musikwissenschaft. Ziel der Kommission ist die systematische Aufnahme der verschiedenen Sprachen und der Musik aller in deutschen Lagern befindlichen Kriegsgefangenen.
Unter der technischen Leitung von Wilhelm Doegen werden 1650 Sprachaufnahmen hergestellt, die den Grundstock des Berliner Lautarchivs bilden. Das Lautarchiv befindet sich heute am Musikwissenschaftlichen Seminar der Humboldt-Universität zu Berlin.
Die Tonaufnahmen, die während des ersten Weltkriegs im Wünsdorfer Halbmondlager angefertigt wurden, bilden den Ausgangspunkt des Projekts „THE HALFMOON FILES“.




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