Werner Herzog hat seine lange Spielfilmpause nicht gut getan: Lahm erzählt er sein deutsches Drama um einen polnischen Kraftmenschen und den Magier Hanussen im Berlin Anfang der Dreißiger. Allein Tim Roth brilliert in der Rolle des Magiers...
Inhalt
Anfang der dreißiger Jahre wird der starke und schwergewichtige Schmied Zishe Breitbart aus Polen nach Berlin in ein Künstlervarieté gebracht. Er ist Jude und soll in Hanussens "Haus des Okkulten" als Attraktion auftreten. In dem hauptsächlich von Mitgliedern der NSDAP frequentierten Varieté wird er durch seine Muskelkraft berühmt und zum "Stärksten Mann der Welt" erkoren.
Hanussen will Minister von Hitler werden und der Erfolg scheint mit der großen Attraktion Zishes auf seiner Seite zu sein. Doch als der Pole seinen Siegfried-Auftritt zu einer Samson-Nummer umändert, kommt es zu Tumulten im Publikum. Alles lief gut, bis die jüdische Identität des "Stärksten Mannes der Welt" bekannt wurde ...
Als unbesiegbar ("Invincible") gilt Zishe
Breitbart (Jouko Ahola). Dieser ist zwar nicht
der intelligenteste, dafür aber der wohl
stärkste Mann seiner Zeit. Er ist Jude und lebt
als Schmied 1932 in Polen. Von einem
durchreisenden Talentsucher lässt er sich als
Varietéattraktion nach Berlin locken. Dort tritt
er in Hanussens (Tim Roth) "Palast des
Okkulten", mit blonder Perücke, als Siegfried
auf. Die Nazis halten ihn für einen Arier und
jubeln ihm zu. Langsam begreift er, dass er
seinen Erfolg nur durch die Verleugnung
seiner Identität erkauft hat. Die Geschichte
beginnt sich zu wenden als Zishe beschließt
nicht mehr als Siegfried, der Germane,
sondern als Samson, der Jude aufzutreten.
Diese Entscheidung bringt Hanussen in arge
Bedrängnis, denn auch er ist nicht der, für den
er sich ausgibt. Im Gegensatz zu Zishe hat
Hanussen jedoch keine Skrupel seine
Herkunft zu verleugnen und sich mit seinen
Feinden zu verbrüdern.
"Invincible" basiert auf einer wahren
Geschichte. Die Antwort auf die Frage was
historisch verbürgt und was frei erfunden ist
verweigert Regisseur Werner Herzog jedoch
konsequent. Er will (Zitat) kein Buchhalter
sondern Geschichtenerzähler sein. Um seine
Geschichten authentisch zu erzählen hat er
schon mal ein Schiff über einen Berg ziehen
lassen. Diesmal brachte er Tim Roth das
Hypnotisieren bei. Und dieser hypnotisierte
tatsächlich vor laufender Kamera seine
Partnerin Marta (Anna Gourari).
Auf Authentizität legte Herzog auch beim
Casting großen Wert. So stehen hier
charismatische Schauspieler gemeinsam mit
Laien vor der Kamera. Jouko Ahola trägt
tatsächlich den offiziellen Titel "Stärkster Mann
der Welt" und Anna Gourari ist nicht nur im
Film eine hervorragende Klavierspielerin.
"Invincible" ist eine Geschichte über Macht,
Verführung und Courage. Zishe widersteht im
Gegensatz zu Hanussen der Versuchung. Er
gibt sich, die Repressionen der Nazis vor
Augen, als Jude zu erkennen. Hier
widerspricht der Film der zu oft gehörten
These "man habe keine andere Wahl gehabt".
Man hat immer eine andere Wahl, man muss
nur den Mut besitzen, den schwereren Weg zu
gehen. "Invincible" ist vor dem Hintergrund
einer wahren Begebenheit ein Plädoyer für
Mut zur Zivilcourage.
Reinhard Wachtel vom 08.03.2010 Zishe, Gott alleine bestimmt die Gerechten. Jetzt und in alle Zeiten, immer neu! Ein großartiger Film. Dank Hern Werner Herzog.