Bernd Michael Lade nimmt "Die üblichen Verdächtigen" für seinen deutschen Krimi in Anspruch - und scheitert ehrenvoll. Atmosphäre und Darsteller sind stimmig, aber die Handlung um fünf Verdächtige eines Raubüberfalls wird zu undurchsichtig...
Inhalt
Fünf Leben,ein Ereignis: Der Überfall auf einen Geldtransporter (Beute: 30 Millionen). Fünf Menschen um 0 Uhr 12 auf einem U-Bahn-Gleis: Frank, der Spieler; Marie, die Programmiererin; Martin, der phlegmatische Reinigungsgerätevertreter; Jonas, Taxifahrer und ehemaliger Kriegsphotograph; Kathrin, Kellnerin und alleinerziehende Mutter zweier Töchter. Nach dem Verhör auf dem Kommissariat: Die fünf Ermittler können sich nicht einigen. Waren sie's oder waren sie's nicht?
Bernd Michael Lades Film kann sich das
Verdienst ans Revers heften, die komplette, in
Düsseldorf versammelte Journalistenschar
mit dem Rätsel zurückgelassen zu haben,
welche Handlung er hat. Selbst wenn man die
Angehörigen der schreibenden Zunft für nur
durchschnittlich intelligente Menschen hält,
wird man zu dem Schluss kommen, dass das
ungewöhnlich ist.
Die Wahl des Genres, es geht –
zumindest soviel ist klar - um den Überfall auf
einen Geldtransporter, scheint eher für eine
gradlinige Erzählung geeignet zu sein. Wie
sonst wollte man die Logik des Planes, den
sich ein brillantes verbrecherisches Gehirn
ausgedacht hat, spannend auskosten.
Entsprechend ist „Null Uhr 12“
auch nicht eine Minute spannend, sondern
höchst verschlungen, wenn er ungeachtet der
logischen Löcher in etwa folgende Geschichte
erzählt: Ausgehend von dem Gedankenspiel
eines Überfalls auf einen Geldtransporter,
beginnt „Null Uhr 12“ das
Leben fünf unbedarfter Menschen zu zeigen.
Da gibt es den hoffnungslos
Glücksspielabhängigen, eine
Programmiererin, einen phlegmatischen
Reinigungsgeräte-Vertreter, einen Taxifahrer,
der früher Kriegs-Fotograf war und eine
alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, die
als Kellnerin arbeitet. Unvermittelt geraten sie
ins Blickfeld einer Spezialtruppe der Polizei,
wodurch alle fünf zu privaten
Befreiungsschlägen ihrer festgefahrenen
Situationen ausholen.
Wenn die ganzen Absurditäten Absicht sind,
dann ist das Kunst. In zwei jeder
Beschreibung spottender Szenen tauchen
zwei derartig lächerlich chargierende Schwule
auf, dass sie fast als satirische Beschreibung
gängiger Klischees durchgehen. Ein
Verrückter muss unbedingt verrücktes Zeug
erzählen, damit er als solcher erkennbar ist, in
der Nervenheilanstalt müssen zwei Pfleger
einen hysterisch fliehenden Insassen
verfolgen, damit wir wissen wo wir sind und
der Vertreter muss dermaßen dämlich
vorgehen („Sie haben aber einen
dreckigen Teppich“), damit wir an
seine Erfolglosigkeit glauben. Dies alles lässt
in Verbindung mit dem kruden
Handlungsverlauf nur den Schluss zu, dass
Bernd Michael Lade entweder unfähig ist oder
aber eine künstlerische Auseinandersetzung
über die fatalistische Wirkung der einen
schicksalhaften Sekunde im Sinn hat, wobei
er die grelle Überzeichnung unserer
Gesellschaft als Stilmittel benutzt.