Persepolis
Comic-Verfilmung: Basierend auf den gleichnamigen Comicromanen handelt der Film von der Lebensgeschichte der jungen Iranerin Marjane Satrapi und wirft eine humorvolle und kritische Betrachtung auf die jüngste Historie PersiensInhalt- „PERSEPOLIS“ erzählt die Geschichte der jungen Marjane und ihrer Familie im Iran zur Zeit der Islamischen Revolution. Anfänglich noch begeistert an der Protestbewegung gegen den Schah beteiligt, die auch ihre Eltern mit ganzer Kraft unterstützen, wird die frühreife und aufgeschlossene Achtjährige bald zur Zeugin der fundamentalistischen
Machtübernahme mit all ihren dramatischen Konsequenzen. Fortschritt und Freiheit bleiben auf der Strecke, als im Zuge der Islamischen Revolution Tausende im Gefängnis landen und Frauen gezwungen werden Kopftücher zu tragen. Doch die rebellische Marjane denkt gar nicht daran, sich dem rigiden Regelwerk zu unterwerfen. Viel lieber entdeckt sie Punk, ABBA und Iron Maiden und macht erste Erfahrungen mit Jungs. Sie ahnt nicht, dass ihr spielerischer Protest gefährlich ist – nicht nur für sie selbst, sondern auch für ihre Familie...
Awards, Auszeichnungen und Preise Filmkritik- Eigentlich war Persepolis die Metropole des antiken Perserreichs, von der heute nur noch Ruinen zu bestaunen sind. Nicht von ungefähr kommt also der Titel des autobiografischen Comics von Marjane Satrapi, in dem sie ihre leidvolle Vita niederschrieb. Im effektiven Schulterschluß mit Vincent Paronnaud hat sie diese nun auch in einen mehr als ungewöhnlichen Animationsfilm transformiert. Die etwas andere Adaption des gleichnamigen autobiografischen Comics der Iranerin Marjane Satrapi bietet großen wie profunden Filmspaß.
Im Teheran der späten Siebzigerjahre veränderte die islamische Revolution das gesamte soziale Leben. Das kecke Mädchen Marjane holt sich bei ihrer zynischen Großmutter Rat und Tat, debattiert nächtens mit dem lieben Gott und Karl Marx gleichermaßen.
Sie favorisiert Punk, ABBA und Iron Maiden und macht gar (zu früh) erste Erfahrungen mit dem männlichen Geschlecht, nichts ahnend, wie gefährlich ihr infantiler Protest für sie samt Familie werden kann…. Wie soll man diese cinéastische Kulturkritik am besten charakterisieren? Sie kommt aufwühlend, lehrreich, grotesk, radikal und zutiefst emotional daher. Ein ungewöhnliches Werk für Erwachsene, verbrämt mit einem auktorial erzählten Familienportrait samt direkter Transformation einer gelebten und reanimierten Erinnerung. Die spezifische Intention: Die Reflektion und Projektion von Satrapis politischer Sicht der jüngeren politischen Begebenheiten Irans. Trotz eines eher düsteren Timbres und „Nie-wieder-Nimbus’ wahrt “Persepolis“ seine Distanz. So bilanziert Marjane in einem Wiener Hospital, in das sie wegen einer Bronchitis eingeliefert wurde, dass sie zwar „eine Revolution und einen Krieg überlebt“ habe, aber beinahe an Liebeskummer gestorben sei. Frivol ist die Episode in der ehemaligen KuK-Monarchie ohnehin, denn hier entdeckt sie die westliche Mucke wie den Punk, zuhause musste sie derartiges illegal auf dem Schwarzmarkt besorgen. Es bedarf keiner besonderen Erwähnung, dass diese Zeichentrick-Persiflage es schwer haben wird, obwohl gerade die eher zweidimensionalen holzschnittartigen Schwarzweiss-Tableaus des Comics für den abendfüllenden Film manieriert worden sind. Die vor allem in der Physiognomie am kraftvollsten Figuren „spielen“ vor einem nuanciert gezeichneten Hintergrund.
Aber von Aktionismus gewollt keine Spur, auf die sonst so übliche Dynamik wird hier verzichtet, die ruhigen Bilder alternieren mit elegischen Kamerafahrten und temporären hektischen Massenszenen. Den Einzel-Gesten kommt daher viel Spielraum zugute. Das ist insbesondere auch Co-Autor Vincent Paronnaud zu verdanken.
Ein brillantes Pacing, ein extraordinärer Zeichenstil und die herrliche Abwechslung zwischen Witz und Ernst. Lobenswert auch, dass trotz der politischen wie auch biographischen Tragik der Film an keiner Stelle auf die Tränendrüsen drückt oder mit dem moralisierenden Zeigefinger zu belehren sucht. Daher ein „Must-See-Movie“ nicht nur für politisch ambitionierte Anime-Freaks. Jean Lüdeke
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Userkommentare 8martin vom 20.06.2011Mit dem symbolischen Titel hat die iranische Regisseurin wohl bewusst die alte persische Hauptstadt gewählt, einen Ort, der eine bewegte Geschichte hatte: Blütezeit und Zerstörung. In klaren, holzschnittartigen Bildern erfahren wir mehr über die letzten zwei Jahrzehnte dieses lange vor unserer Zeit blühenden Landes als in allen iranischen Filmen zusammen. Eine durchaus amüsante Schilderung, über die wir gemeinsam mit liberalen Iranern lachen können. Die Sprache ist locker und frech, besonders die der kleinen Marji, eines kleinen Mädchens, das zur jungen Frau heranwächst, Erfahrungen im Ausland sammelt und zurückkehrt. Es ist eine kritische Aufarbeitung der Zeitgeschichte mit revolutionären Umstürzen (Schah, Ayatollahs etc) und sozialen Veränderungen. Hierbei wird nicht übertrieben, sondern in durchaus realistischen Szenen die jeweilige Wirklichkeit dargestellt. Und dadurch erhält der Film eine überregionale, zeitlose Bedeutung: Überleben in einem totalitären Polizeistaat. Persönliche Integrität gilt als Maxime für Marji. Und auch der liebe Gott hat seinen Auftritt ebenso wie die Beschreibung des Weihnachtsmannes als rotgekleideter Cola-Knecht. Die leibfeindliche Ideologie wird besonders beim Studium der darstellenden Künste lächerlich gemacht. Bedenkt man die Entwicklung im Nahen Osten wird der Film noch lange eine wegweisende Bedeutung behalten. Nicht nur als Entwicklungs- und Bildungsfilm oder als Appell für Zivilcourage sondern auch als Beispiel eines Integrationsversuches in einer globalen Welt. Als Kontrast sind die wenigen Darstellungen von freien Gesellschaftsformen farbig, sonst herrscht knallhartes s/w. Den muss man einfach gesehen haben!
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