Italienisches Thriller-Drama nach dem halbdokumentarischen Roman von Roberto Saviano: Macht, Geld, Blut. Damit werden die Einwohner der
Provinzen von Neapel und Caserta tagtäglich konfrontiert. Nur eine
privilegierte Minderheit kann überhaupt daran denken, ein „normales“ Leben zu
führen
Inhalt
Im sozialen Brennpunkt Scampìa liefern sich die Clans Scissionisti di Secondigliano und Clan Di Lauro eine Fehde. In diesem Umfeld wächst der dreizehnjährige TOTÒ (Salvatore Abruzzese) auf. Da sein Vater im Gefängnis sitzt, wird der Lebensunterhalt von Totò und seiner Mutter durch die Scissionisti finanziert. Doch Totò entscheidet sich, für den Clan Di Lauro zu arbeiten. und gerät so zwischen die Fronten des Bandenkriegs.
Der Film basiert auf dem Bestseller von Autor Roberto Saviano, der für seinen halbdokumentarischen Roman jahrelang im Reich der Camorra recherchierte.
Die süditalienische Mafiaorganisation Camorra mischt
mit im internationalen Drogenhandel, verschiebt riesige Mengen Giftmüll, macht
gewaltige Geschäfte mit der Herstellung von Designermode, hat praktisch das
Monopol auf den Handel mit Zement – und Geschäftsbeziehungen, die von
Deutschland bis nach China reichen. Verpackt in eine fiktive Geschichte beschreibt "Gomorrha" die suggestive Kraft der Camorra, die Operationen, mit denen die
Clans ihre Macht behaupten und die Manipulationen, mit denen sie ihre
schmutzigen Geschäfte in Gang halten.
DIE CAMORRA (Neapel und Umland) Die Camorra ist die wichtigste kriminelle Organisation in Europa. Sie ist bestens in der Bevölkerung verankert, vor allem aber in den untersten und damit ärmsten Schichten. Auf jeden sizilianischen Mafioso kommen zwei kampanische Camorristen, auf jedes Mitglied der 'Ndrangheta sogar acht: das Drei-, ja Vierfache der anderen Organisationen. Da der Mafia mit ihren Bomben nach wie vor eine geradezu obsessive Aufmerksamkeit geschenkt wird, sind die Medien so weit abgelenkt, dass die Camorra praktisch unbekannt bleibt.
Tätigkeitsbereiche: Erpressung: Die Camorra erhält Gelder von der Mehrzahl der Unternehmen aus der Region über eine Art Steuer, die „pizzo“ genannt wird. Prostitution Kontrolle unterschiedlichster legaler Aktivitäten wie Blumen- und Fleischhandel Müllabfuhr Spielhallen und Discotheken Schmuggel aller Art: gestohlene und gefälschte Waren Der Zigarettenhandel hat seit den jüngst gestiegenen Tabakpreisen wieder zugenommen. Drogenhandel aus dem Maghreb, der Türkei (Heroin, Opium) und Südamerika (Kokain): Er bringt der Camorra bis zu 500.000 Dollar pro Tag ein. Betrug: Wie alle italienischen Mafias zweckentfremdet die Camorra europäische Subventionen, die für den Wiederaufbau auf dem Land bestimmt sind. Nach dem Erdbeben von 1980 hat die Camorra das mit Millionen von Euro getan, die von der Europäischen Union für neue Wohnungen und Häuser gedacht waren. Öffentliche Angebote von Bauplätzen Giftmüllmanagement: Das hat zur Vergiftung zahlreicher bäuerlicher Gebiete geführt und gleichzeitig die Anzahl der Krebserkrankungen in die Höhe schnellen lassen.
DIE COSA NOSTRA (Sizilien) Cosa Nostra (zu deutsch: „unsere Sache“) ist der Name der Mafiaorganisation in Sizilien. Dort wird sie seit langer Zeit auch „Societá Onorata“ („Ehrenwerte Gesellschaft“) genannt. Dieser Beiname rührt daher, dass die Cosa Nostra sehr strenge Ehrenregeln hatte. Wie das Verbot, sich gegen Frauen und Kinder zu richten, war zum Beispiel auch der Ehebruch, die Zuhälterei und der Drogenhandel lange Zeit durch sizilianische Familien untersagt. Heutzutage wird der Großteil dieser Prinzipien deutlich vernachlässigt, vor allem, um sich so der Konkurrenz anderer Mafiaclans (der Russenmafia, der albanischen Mafia etc.) zu stellen, die weniger auf diese Prinzipien achten. Aber bis zum heutigen Tag verweigert sich die Cosa Nostra dem Geschäft mit Entführungen gegen Lösegeld. Von zahlreichen Spezialisten wird sie trotzdem als die einflussreichste kriminelle Organisation in Europa beurteilt. Sie ist außerdem auch in den USA und in Lateinamerika vertreten.
Tätigkeitsbereiche In Sizilien ist die Cosa Nostra in folgenden Geschäftsfeldern aktiv: Drogenhandel Unlautere Einmischung bei der Vergabe öffentlicher Bauaufträge Erpressung von Schutzgeldern bei Händlern und Unternehmen Wucher Betrügereien beim Wein-, Fisch-, Zitrusfrucht- und Ölhandel, beispielsweise durch europäische Agrarsubventionen Handel mit Bankkarten
DIE 'NDRANGHETA (Kalabrien) Die 'Ndrangheta ist eine mafiöse Organisation mit Ursprung in der Region Kalabrien im Süden Italiens. „'Ndrangheta“ ist ein griechisches Wort, das so viel wie „Heldenmut“ und „Tugend“ bedeutet. Ihre Mitglieder sind Anhänger der Vendetta, die ihren Terror im Aspromonte verbreiten, einer Region im äußersten Süden des italienischen Festlandes. Die Organisation ist für ihre zahlreichen Entführungen bekannt, bei denen die Opfer in Grotten oder in Ställen in den Bergen gefangen gehalten werden. Zwar hat die 'Ndrangheta wie alle mafiösen Gruppierungen eine sehr klare Hierarchie, aber im Gegensatz zu den größeren Organisationen ist sie nicht pyramidal strukturiert, sondern setzt sich aus mehreren kleinen Gruppen zusammen. Die Aufnahme in das oft familiäre Innere eines Clans erfolgt meistens über einen illegalen Akt wie zum Beispiel Mord.
Tätigkeitsbereiche Die kalabrische Mafia arbeitet auf andere Art und Weise als die Cosa Nostra. Während Letztere sich über die große Anzahl (internationaler und illegaler) Handelsaktivitäten definiert, konzentriert sich die 'Ndrangheta in erster Linie auf die eigene Region und dort auf Finanzgeschäfte – was sie allerdings nicht davon abhält, international Netzwerke zu weben, insbesondere in Sachen Rauschgifthandel mit der Türkei, Kolumbien, Mexiko und sogar China, um den Import von Narkotika vom Goldenen Dreieck aus zu erleichtern. Seit 1970 importiert die 'Ndrangheta zudem Rauschgift aus Marokko. 1994 hat die Polizei 11 Tonnen kolumbianisches Kokain von ihr beschlagnahmt. Die 'Ndrangheta übt Druck auf alle Unternehmen der kalabresischen Region aus, um sie an der Bereicherung zu hindern und gleichzeitig die eigene Macht zu erhalten. Die Clans besteuern die Unternehmer bis in den Konkurs hinein. Schutzgelderpressung, zweifelhafte Finanztransaktionen und Geldwäsche bilden die Essenz ihrer Geschäfte. Und auch sie operiert im Bereich europäischer Subventionen, indem sie Fördergelder für die Landwirtschaft entwendet.
DIE SACRA CORONA UNITA (Apulien) Die Sacra Corona Unita (SCU) wurde am 25. Dezember 1983 von Guiseppe Rogoli im Gefängnis von Bari gegründet. Damit wollte er den Übernahmeversuchen durch die Neue Camorra unter Raffaele Cutolo widerstehen, die sich in Apulien niederzulassen plante. Auch die 'Ndrangheta und die Cosa Nostra hatten seit Ende der 1970er Jahre versucht, in der Region Fuß zu fassen. Die SCU war entschlossen, ihr Gebiet gegen die Begehrlichkeiten der anderen Gruppen zu verteidigen, besonders auf der Halbinsel von Salento. Apulien wurde in Territorien unterteilt, die mit den Hauptzentren korrespondierten, mit Lecce, Brindisi und Tarent. Die jeweiligen regionalen Paten erlangten schnell ihre Autonomie. Mehrere von ihnen, darunter Manta, Baiguera,Bizotto und Di Padovano, befanden sich in den 1980ern praktisch permanent im offen ausgetragenen Krieg und blieben trotzdem stets in der Lage, sich gegen die Einflussnahme von außen zu verbünden. Mehrere Familien sind in die Schweiz, nach Belgien und nach Deutschland ausgewandert, halten aber immer noch einen Teil der Macht in ihren Händen. 1990 hat die Gruppe mehrere Anschläge auf Gerichte in Lecce verübt. Seither gilt sie offiziell als mafiöse Organisation.
Tätigkeitsbereiche Die Organisation beschäftigt sich vornehmlich mit dem Schmuggel von Tabak, vor allem in den Gebieten um Brindisi, Foggia und Bari, aber auch in Ex-Jugoslawien, von Rauschgift (Anatolien), mit Erpressung (die Hälfte der Händler von Bari gibt an, Schutzgeld zu zahlen), mit Waffenhandel (Raketenwerfer, Kalaschnikows, Sprengstoff), mit Glücksspiel und mit dem Einschleusen illegaler Einwanderer (Chinesen, Türken, Pakistani oder Albaner).
8martin vom 22.11.2011 Die Vorlage von Roberto Saviano belegt, dass er sehr genau recherchiert haben muss. So kommt es, dass der Film von Matteo Garrone eine Fülle von Informationen verarbeitet, über die nur ein echter Insider verfügt. Trotz der Distanz zum Geschehen - bisweilen kommt der Film fast dokumentarisch daher - ist es spannende Unterhaltung. Mehrere Handlungsstränge verlaufen neben einander her und bieten unterschiedliche Aspekte der ?Ehrenwerten Gesellschaft?. Der Aktionsradius reicht von der Nachbarschaftshilfe bis zum ganz großen Geschäft mit der Müllentsorgung. Es werden Geschäfte im Nadelstreifen mit Behörden gemacht und ein blutiger Bandenkrieg geführt. Erschreckend ist nicht die Tatsache, dass jeder, der dazu gehört, ständig mit einem Bein im Grab steht, sondern es ist die tödliche Freundlichkeit, die an den Tag gelegt wird. Es wird ohne innere Anteilnahme oder mit einem Lächeln im Gesicht gemordet. Unvorhersehbar und in gnadenloser Konsequenz. Es gibt Anzeichen dafür, dass sich die Zeiten geändert haben, brutaler und unberechenbarer und vor allem viel komplexer geworden sind. Vorbei sind sie noch lange nicht. Es wird auf Theatralik weitgehend verzichtet. Lediglich ein Schocker am Anfang und einer am Ende machen da eine Ausnahme. Informativ und spannend. Ein etwas anderer Mafia-Film.