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Plakat - Tief wie der Ozean
Plakat - Tief wie der Ozean
© Constantin Film

Kritik: Tief wie der Ozean (1999)


Man kann's auch übertreiben: Ein Kriminalfilm ist "Tief wie der Ozean" nur auf den ersten Blick. Tatsächlich handelt das von einer darstellerisch brillanten Michelle Pfeiffer angeführte Drama von den Folgen, die eine Kindesentführung nach der Rückkehr des jahrelang verschollenen Sohnes für alle Beteiligten hat: für das Opfer, die Mutter, den Vater, den inzwischen 16 Jahre alten großen Bruder (Jonathan Jackson) und selbst den Stiefvater (John Kapelos), von dem der entführte Ben acht Jahre lang als Sam erzogen wurde und dem er mehr verbunden ist als seiner "richtigen" Familie.

Doch wie gesagt: Man kann's auch übertreiben. Denn "Tief wie der Ozean" ist nur ein 108 Minuten langer Film und muss in dieser kurzen Zeit so viele Probleme von so vielen Figuren wälzen, dass eine schlüssige Entwicklung der Charaktere, ihrer Motivationen und ihrer Beziehungen zueinander – im Gegensatz zu Jacquelyn Mitchards Romanvorlage "The Deep End of the Ocean" – hier zwangsläufig auf der Strecke bleibt.

Seicht wie eine Pfütze: "Tief wie der Ozean" beschränkt sich lieber auf das Wesentliche und hakt die Meilensteine der dramaturgisch nicht gerade spannend aufbereiteten Geschichte ab. Man kommt sich dabei vor wie ein Tourist auf fünftägiger Europareise.

Der Film wirft viele Fragen auf, ohne befriedigende Antworten zu liefern: Soll Ben wirklich zurück zu seiner biologischen Familie oder doch lieber bei dem Mann bleiben, den er als seinen "Vater" kennt und liebt? Wie steht es um die Rechte seiner Eltern? Und wie wirkt sich Bens Rückkehr auf die Schuldgefühle seines von der Pubertät geplagten Bruders Vincent aus, der sich inzwischen zum Problemkind zu entwickeln scheint? Das alles wird hier bestenfalls kurz angeschnitten – der Film "Tief wie der Ozean" wirkt wie ein Teaser für Mitchards Roman.

Dass man das überladene Leinwandmelodram trotzdem ganz gut ertragen kann, ist Michelle Pfeiffer zu verdanken: Die Darstellung der schuldgeplagten, zwischen Verzeiflung und Pflichterfüllung hin- und hergerissenen Mutter ist zweifellos ein Meilenstein in Pfeiffers Filmkarriere. Sie macht das Beste aus dem kargen Drehbuch und formt ihre Figur zu einem überzeugenden, facettenreichen Ganzen, an dem man sich kaum satt sehen kann.

Allein in diesem Punkt ist der Film tatsächlich "tief wie der Ozean".




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