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Kritik: Amore, Amore (1996)


Liebe auf italienisch:

Wie huldigt man der Jugend im Kino? In Amerika gibt es den Generation X-Film (z.B. "Slacker" von Richard Linklater), der in den 90er Jahren fast zu einem eigenen Genre geworden ist. In deutschen Landen nennt man das ganze dann Beziehungskomödie (z.B. "Abgeschminkt" von Katja von Garnier) und ist verantwortlich für den gesteigerten Besucherstrom in einheimische Produktionen. Ob in Kanada ("Liebe und andere Grausamkeiten") oder auf der Südhalbkugel in Australien ("Liebe und andere Katastrophen"), überall macht man es auf die gleiche Weise. Liebe, auch die von heute, überwindet sprachliche und kulturelle Grenzen.

So meint nun ein italienischer Schauspieler und Regisseur, er müßte diese Life-Style-Sparte mit seinem südländischen Charme bereichern. Was dabei herauskommt ist "Amore Amore", ein Geschichtchen vom beziehungslechzenden Levante und seiner lesbischen Schwester Selvaggia, denn auch in Italien ist man 'political correct'. Das Geschwisterpaar lebt auf einem einsam gelegenen Bauernhof, der Vater hält die Familie des nächtens mit Schnarchorgien wach und mit den Nachbarn, der Ex-Freundin und den Bewohnern des nächstgelegenen Dorfes verbindet alle ein heimliches Zusammengehörigkeitsgefühl. Was muß nun passieren, damit ein bißchen Wirbel in diese Idylle kommt?
Richtig! Eine feminin dominierte, spanische Flamencotruppe, sozusagen eine "Röckegruppe", verirrt sich in die ländliche Einsamkeit, dort wo die Welt eigentlich noch in Ordnung ist. Doch bei diesem weiblichen Prachtangebot wird jeder schwach, verwandelt sich selbst der Hartgesottenste in einen Schürzenjäger. Bella Italia! Bella Espagna!

Was sich anhört wie eine Parodie auf eine Zeitgeisterscheinung, hat unser Italiener Leonardo Pieraccioni leider Gottes ernst gemeint. Oder er hat im Ernst gemeint, eine banale Geschichte wird durch noch banalere Dialoge und Situationen komisch und witzig. Da hat er sich leider getäuscht. "Amore Amore" fängt mit seiner Aufdringlichkeit langsam an zu nerven, und geht zum guten Schluß gewaltig an die Nieren. Das ist hart, aber da muß man halt als junger Mensch durch. Oder man wartet lieber noch zwei Wochen auf einen anderen Film. Denn auch die Franzosen wandern auf den Pfaden der Generation X.

Vergeßt "Amore Amore", freut Euch auf "Singles unterwegs", demnächst in Ihrem Kino.




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