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The Hanging Garden
The Hanging Garden
© Pro Fun Media

Kritik: The Hanging Garden (1997)


Thom Fitzgeralds handfestes Drama um einen traumatisierten Jungen kreist um dessen dysfunktionale Familie. Bei seiner Rückkehr zum Heimatort anlässlich der Hochzeit seiner Schwester wird er mit dem konfrontiert, wovon er weggelaufen ist: seiner Vergangenheit. Bald gerät der wunderschöne Blumengarten zum symbolträchtigen Zentrum, in dem Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen. Blumennamen für die Charaktere, das pittoreske Grün der kanadischen Nova Scotia und die fröhliche Musik im Hintergrund verschleiern die wahren Absichten des rätselhaften queer movies.

Der wieder in Mode geratene magische Realismus drängt sich als Assoziation zu dem Sommernachtsalbtraum auf. Aus unruhigem Schlaf erwacht, stößt Sweet William unvermittelt auf sein jugendliches Pendant, gut 100 Pfund schwerer, das sich im Garten aufgehängt hat. Hier verwebt Thom Fizgerald Erinnerung und Wirklichkeit zu einer bedrückenden Einheit, die nur vom leisen Humor aufgelockert wird. Er verzichtet jedoch auf eine Erklärung der Phänomene und läßt dem Zuschauer die Freiheit, seine Bilder zu interpretieren. Statt sich als jenseitige Horrorvision wie “Jacobs Ladder“ zu entpuppen, gibt Fitzgerald Hoffnung und zeigt Humor. In psychologischer Akribie übertreiben die Familienmitglieder ihre Marotten derart, dass man befreit lachen kann. Trotz mancher Überzeichnung nimmt “The Hanging Garden“ sich alle Zeit und Ruhe, und misst so auch kleinen Gesten große Bedeutung zu, ohne diese in den Vordergrund zu stilisieren.

Die meist unbekannten Darsteller (außer Sarah Polley aus “Das süße Jenseits“ und Kerry Fox aus “Shallow Grave“) füllen die technisch perfekte Hülle mit veritablem Leben auf und geben ihren Figuren ein angemessenes Maß an Authentizität. Bei seiner Uraufführung auf dem Toronto Filmfest 1997 gewann der Film zusammen mit dem sublimen “Das süße Jenseits“ von Atom Egoyan, ebenfalls eine kanadische Produktion, die wichtigsten Preise. Angesichts einer symbolträchtigen, sexuell sehr direkten (vor allem in Bezug auf Homosexualität) und unwirklichen Inszenierung, die ganz ungekünstelt ihrem Thema gerecht wird, kann man sich nur wünschen, dass mehr Perlen aus dem nordamerikanischen Land zu uns gelangen – und sei es mit zweijähriger Verspätung.




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