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Eine wüste Bescherung
Eine wüste Bescherung
© Disney

Kritik: Eine wüste Bescherung (1998)


Es gibt auch Dreck, mit dem man sich gerne bewerfen läßt: Disneys "wüste Bescherung" ist eine monströse, auf Kinoformat vergrößerte Weihnachts-Sitcom und dabei so verklemmt, verkitscht und überdreht, daß man den Streifen mit einer gewitzten Satire auf das amerikanische Zuckerwattefernsehen verwechseln kann, dessen verlogene Oberflächlichkeit das Weihnachtsfest als moralinsaures Ritual begrenzter Nächstenliebe und unbegrenzten Kommerzes entlarvt.

Obwohl der Film, seiner Zielgruppe entsprechend, vor allem pubertierende Teens mit einem Faible für den blauäugigen Herzensbrecher Jonathan Taylor Thomas in Ekstase versetzen dürfte – hierzulande kennt man den 17jährigen Vegetarier und Einserschüler vor allem aus der Heimwerker-Sitcom "Home Improvement" – kann man das mitunter surreal anmutende Szenario dieser auf den ersten Blick harmlosen Weihnachtskomödie auch als unfreiwillige Karikatur eines zur gigantischen Lichterkette verkommenen "Fests der Liebe" betrachten. Man muß die Intentionen der Macher nur ins Gegenteil verkehren, und der Wahnsinn hat Methode – auch wenn der TV-erfahrenen Regisseurin des hohlen Festtagsspektakels die Selbstreflexion eines Joe Dante ("Small Soldiers") fehlt.

Doch am Ende zählt nur das Ergebnis. Mit seiner hemmungslosen Darstellung unsäglicher Peinlichkeiten zieht das von schlichtem Humor geprägte Road-Movie die eigenen Klischees durch den Kakao und sorgt damit, ohne es zu wollen, gerade bei abgeklärten Kinobesuchern für hintergründiges Amusement: Verrücktheiten wie eine Hundertschaft Weihnachtsmänner, die sich in voller Montur einen Marathonlauf liefert und unterwegs mit Gebäck versorgen läßt, outen "Eine wüste Bescherung" als unfreiwillige Posse höchster Güte. Um diesen subversiven Touch vollends auszukosten, sollte man sich den Film dann aber auch in einer Nachmittagsvorstellung zusammen mit schmachtenden Teenies ansehen, die beim Anblick ihres jugendlichen Helden den Verstand verlieren.




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