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Kritik: The Faculty (1997)


Lehrer sind Aliens! Das wird jeder Schüler gern bestätigen. Regisseur Robert Rodriguez ("From Dusk Till Dawn") allerdings, der seine eigene High-School-Zeit rückblickend als Horrortrip beschreibt, nimmt diese Prämisse hier recht wörtlich und schickt sechs mehr oder weniger gestörte Pennäler in eine Schlacht gegen ihren zu Außerirdischen mutierten Lehrkörper. Rodriguez und Drehbuchautor Kevin Williamson ("Scream") sehen hinter dem unterhaltsamen Rip-off von Kultstreifen wie "Die Dämonischen", "Alien", "Das Ding" oder "Breakfast Club" indes mehr als bloße Zerstreuung und möchten den Film eher als Parabel über des Menschen Suche nach seinem wahren Selbst im Spannungsfeld zwischen Konformität und Individualität verstanden wissen. Das wiederum ist dann schon wieder rührend, weil viel zu hoch gegriffen.

Nein, dieses mitunter recht gewitzte B-Movie über durstige Aliens mit einem bizarren Faible für Kanisterwasser betritt nicht wirklich Neuland. Vielmehr lebt der Film von seinem Ensemble junger Schauspieler, die als Archetypen am Leben verzweifelnder High-School-Absolventen amüsieren: Newcomer Jordana Brewster ist die attraktive Cheerleaderin Delilah, deren zukünftiger Ex-Freund Stan (Shawn Hatowsky) im Rahmen einer vorgezogenen Midlife-Crisis seinen Job als Kapitän der Football-Mannschaft an den Nagel hängen will. Clea DuVall verkörpert Stokley, eine frustrierte und angeblich lesbische Einzelgängerin mit einem Hang zu Science-fiction-Filmen. Marybeth (Laura Harris), eine blonde Südstaatenschönheit, hat gerade erst die Schule gewechselt, und Josh Hartnett ("Halloween H20") alias Zeke ist der supercoole Überflieger, der mit geschmackvollen Kondomen, falschen Ausweisen und hausgemachten Drogen dealt. Der Star des Films aber ist Elijah Wood ("Der Eissturm"), der als Casey – bloß weil er ein bißchen kleiner und strebsamer als die anderen ist – jeden Morgen von den übrigen Rabauken gegen einen Fahnenmast geschleudert wird. Kein Zweifel: Diese High School ist auch ohne Aliens die Hölle.

Als Gegenspieler der hormongelenkten Schülertruppe fungieren eine auf unattraktiv getrimmte Salma Hayek ("Studio 54") als medikamentensüchtige Schulkrankenschwester, Bebe Neuwirth ("Green Card") als Direktor und Famke Janssen ("Octalus") als scheinbar schüchterne Erzieherin. Robert Patrick ("Terminator 2") lehrt die Kids als gnadenloser Football-Coach das Fürchten, und sogar der schwergewichtige Internet-Guru Harry Knowles, ein guter Freund des Regisseurs, hat einen winzigen Cameo-Auftritt als Leiter der Filmklasse.

Was "Faculty" recht wohltuend von anderen High-School-Filmen unterscheidet, mit denen Hollywood die Kinos überschwemmt, ist die erfrischende Nüchternheit, mit der Rodriguez das triste Grau eines amerikanischen Schulalltags zu schildern versteht: keine neuen Computer, keine Klassenfahrt, keine Musical-Aufführung – das Geld fließt in die Ausrüstung der Football-Mannschaft. Da grenzt es fast schon an ein Wunder, daß die frustrierten Schüler der außerirdischen Verlockung eines sorgenfreien Lebens ohne Emotionen nicht spontan erliegen. Statt dessen dient ihnen, und hier ist "Faculty" regelrecht subversiv, Zekes selbstgemixtes Rauschmittel als Lackmustest, um Freund und Feind zu unterscheiden: Der Logik dieses Films nach ist nur der ein Mensch, der Drogen lustvoll schnüffeln kann.





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