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Kritik: Zu verkaufen (1998)


Gibt es eine geschlechtsspezifische Kunst? Was ist ein Männerfilm, was ein Frauenfilm, und orientiert sich diese vage Kategorisierung eher am Künstler oder eher am Rezipienten? Diese und angrenzende Fragen wurden zur Hoch-Zeit gerade des europäischen Autorenfilms heftig diskutiert, zum Teil mit ideologischer Verbissenheit. Heutzutage hat sich die Auseinandersetzung weitgehend erledigt. Immer seltener finden Filme den Weg auf den Markt, die eine (unter Umständen auch radikale) Welt- und Menschensicht eines Autoren, der auch sein eigener Regisseur ist, transportieren und wiederspiegeln. Hin und wieder jedoch flackert das Feuer des klassischen europäischen Autorenfilms noch einmal auf. Wie z.B. in Gestalt des fanzösischen Films "Zu verkaufen" von Laetitia Masson. Konsequent bis hin zur Kompromißlosigkeit entwickelt die Regisseurin in ihrem zweiten Werk den alles andere als leicht zugänglichen Weg einer weibliche Identitätssuche. Allzu viel Identifikationspotential gönnt die Filmemacherin ihrer Heldin hierbei nicht. Aber das liegt natürlich durchaus im Blickwinkel des Betrachters, bzw. dem Maß an Bereitschaft, sich auf einen inhaltlich wie formal reichlich spröden Film einzulassen.
Erzählt wird die Geschichte der jungern Streunerin France. Just zur Hochzeit ist sie von ihrem Angetrauten geflüchtet, nicht ohne den Inhalt von dessen Safe mitgenommen zu haben. Der solchermaßen düpierte Fast-Ehemann, ein Fitness- und Nachtclubbesitzer mittleren Alters, engagiert einen italienischen Privat-detektiv, um France aufzuspüren. Luigi, selber in Scheidung lebend und nicht gerade mit seinem Frauenbild im reinen, heftet sich an die Fersen der Verschollenen. Er spürt Freunde und Verwandte von France auf und versucht sich ein Bild von der jungen Frau zu machen. Je mehr er jedoch über sie erfährt, desto mehr entgleitet ihm die Person, zu widersprüchlich sind die Informa-tionen. Nur soviel scheint klar: Panikartig vermeidet France jede Form von emotionaler Bindung und allem, was ihre völlige Unabhängigkeit in Frage stellen würde. Ihre Sehnsucht nach Zärtlichkeit befriedigt sie bei und mit Männern, die dafür bezahlen müssen.
Je mehr sich die Kreise des Detektivs der Aura der Gesuchten nähern, desto klarer scheint ihm zu werden, daß die Suche nach France auch eine Suche nach ihm selbst ist, nach seiner Identität als Mann und dem weiblichen Anteil daran. Am Ende kommt es zum Zusammentreffen der beiden Seelenverwandten. Die Begegnung bleibt jedoch flüchtig. Immerhin erhält France Luigi’s Telefonnummer, und mit nicht viel mehr im Gepäck macht sie sich weiter auf den Weg....jetzt nach Amerika...
Hört sich dies nun in der knappen (und durchaus mühseligen) Zusammenfassung etwas diffus an, so muß leider gesagt, dies gilt erst recht für den Film in seiner Gänze. Die letztendlichen Motive von France auf ihrem bizarren Lebensweg bleiben unklar. Da sich der Film auch in keiner Weise bemüht, um Sympathie für seine eigenbrödlerische Protagonistin zu werben, hinterläßt er eine merkwürdige Gefühlskälte, die noch unterstrichen wird vom völligen Fehlen einer nachvollziehbaren Erzählperspektive. Aber vielleicht erschließt sich der tiefere Sinn von "Zu verkaufen" tatsächlich nur einem ur-weiblichen Blickwinkel. Wer den nicht hat, oder nicht an einen solchen glaubt, erlebt zwei Stunden Wirrnis und Langeweile im Kino.




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