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Kritik: Schlaraffenland (1999)


Die Party ihres Leben wollen sie erleben: Sieben Kids feiern - freiwillig eingeschlossen in einem riesigen Einkaufzentrum - eine Konsum-Orgie zwischen Klamotten, Videospielen und CDs. Doch in ihr selbst geschaffenes Schlaraffenland aus Sex, Musik und Drogen platzen die Schwarzen Sheriffs: Die von Pops (Heiner Lauterbach) angeführte Wachschutzgruppe soll die weihnachtlichen Einnahmen bewachen, spielt jedoch ein falsches Spiel - beim Raub des Geldes lassen sie die Jugendlichen ins offene Messer laufen. Im glitzernden Konsum-Paradies kommt es zum blutigen Showdown.

Friedemann Fromms Kinodebüt ist eine rhythmisch atemlose Filmparabel über die Entstehung von Gewalt und Gegengewalt - die Grenzen zwischen Gut und Böse brechen auf, die elf Protagonisten sind hier vielmehr Opfer ihrer selbst und der Umstände, Freundschaft und Liebe sind nur eine flüchtige Illusion. Im Einkaufszentrum, einem in sich abgeschlossenen Pseudo-Paradies, endet zugleich die Zivilisation, fallen die letzten Hemmungen: Wie in "Der Herr der Fliegen" mündet die Gewaltspirale in einen gnadenlosen Krieg aller gegen alle.

Für ihre Gratwanderung zwischen Liebe und Hass, Schwäche und Macht hat Fromm die sieben Jugendlichen vor den Dreharbeiten zunächst aus ihrem eigenen Leben erzählen lassen und drei Wochen lang täglich sechs bis sieben Stunden lang mit den Schauspielern geprobt. Um dem Lebensgefühl der Kids vor der Jahrtausendwende nachzuspüren, führten der Regisseur und sein Bruder Christoph, der das Drehbuch schrieb, zahlreiche Gespräche in Szene-Treffs und Clubs und destillierten daraus sieben Kunstfiguren, mit denen sich - und dies ist wohl die größte Schwäche von "Schlaraffenland" - nur wenige Zuschauer werden identifizieren können.

Das ziemlich aussichtslose Unterfangen, elf Hauptfiguren unter einen Hut zu bringen, macht diese Mischung aus sozialem Psychogramm, blutiger Action und karthatischer Gewalt zu einem manchmal unfreiwillig komischen Balanceakt, bei vor allem Lauterbach und seine Spießgesellen zu Karikaturen ihrer selbst verkommen. Letztlich gehen hier nicht nur die Jugendlichen, sondern auch die Zuschauer durch die Hölle eines falschen Einkaufsparadieses.





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