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Adam Beach - 'Smoke Signals'
Adam Beach - 'Smoke Signals'
© Arthaus

Kritik: Smoke Signals (1997)


Was wir eigentlich gar nicht leiden können, sind Politiker, die nach erlittener Wahlschlappe die Schuld beim Wähler suchen und diese dafür beschimpfen. Ähnlich stillos ist es, wenn Kritiker das Publikum beschimpfen, weil es eine andere Meinung oder einen anderen Geschmack hat. Sei’s drum, ich tu’s trotzdem und sage: Ihr Zuschauer, die ihr beim diesjährigen Sundance Film Festival den Beitrag "Smoke Signals" nicht nur unnötig beklatscht, sondern auch gleich noch mit dem Publikumspreis bedacht habt, ihr liegt völlig daneben. Der von euch bejubelte Film ist nämlich nicht nur nicht gut, er ist sogar ausgesprochen schlecht.

Begründung:
Es geht um zwei junge Indianer, die nach dem Tod vom Vater des einen (der von der Familie getrennt lebte), sich auf den Weg machen, die sterblichen Überreste heimzuholen. Die Reise der beiden Freunde entwickelt sich zu einer Konfrontation mit ihrer Vergangenheit und den indianischen Wurzeln ihrer Identität. So weit so gut.
Daraus hätte durchaus ein witziges oder tragisches oder wie auch immer Roadmovie werden können, in dem die Zuschauer etwas erfahren über Lage und Schicksal amerikanischer Ureinwohner, die auch heute noch in Reservaten leben. Mit Sicherheit hat Regisseur und Co-Produzent Chris Eyre, selbst Mitglied des Cheyenne/Arapaho Stammes, auch genau dies vorgehabt. Leider ist sein Film aber in fast jeder Hinsicht konfus ausgefallen, so daß am Ende (nach immerhin gnädigen 80 Minuten) die Frage, was denn hier eigentlich erzählt werden soll, eher unbeantwortet und offen bleibt.

Die Geschichte plätschert weitgehend spannungsfrei von Anekdötchen zu Anekdötchen. Die Dialoge der beiden jugendlichen Protagonisten wirken spröde und aufgesagt und kommen nicht selten allzu bedeutungs-schwanger daher. Und wenn’s dann mal indianermäßig witzig werden soll, klingt das so: Mancher Tag ist ein guter Tag zum Sterben, und mancher ist ein guter Tag zum Frühstücken. Zu müden Scherzen und Betroffenheitsfloskeln gesellen sich dann noch abgedroschene Lebensweisheiten, bei denen auch schon mal ein Basketball als Metapher für das ewige Auf und Ab alles irdischen Seins herhalten muß. Und da "Smoke Signals" auch von der Inszenierung her in etwa auf Sat 1-Krankenhaus-Serien-Niveau liegt, bleibt als Fazit nur: Gut gemeint allein genügt nicht.




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