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Kritik: High Art (1998)


Lisa Cholodenko nimmt sich einer ästhetischen Richtung an, die einerseits von Fotografin Larry Clarks und Nan Goldin geprägt ist, andererseits die betäubte Welt aus Drogen und Vergessen formell interpretiert. Entsprechend matte Farben und fahles Licht beherrschen Lucys Welt, von der Syd nahezu absorbiert wird. Den narkotisch-trägen Mikrokosmos kontrastiert Cholodenko mit dem sterilen Weiß des New Yorker Hochglanzmagazins, dessen intrigante Heuchler jeden Meter von Syds Freiraum vermint haben. So erliegt sie der Versuchung, ihre versklavte Yuppiewelt aus Schein und Betrug hinter sich zu lassen, da Lucy sie als einzige Person wie einen Menschen behandelt und nicht als Instrument betrachtet.
Beide Frauen streifen ihre einzwängenden Hüllen der Vergangenheit ab, und lassen sich auf einen Neuanfang ein, der unter denkbar ungünstigen Voraussetzungen steht. Nach dem Erwachen aus einem gefühlskalten Dornröschenschlaf konfrontiert uns Cholodenko so unvermittelt mit der Natürlichkeit der Gefühle, daß jeder Gedanke an Inszenierung vergessen ist. Als Lucy mit Syd schläft, kann man die schlichte Ehrlichkeit greifen, keine Spur von den künstlich geschliffenen Wegwerfsprüchen gedankenloser Feel-Good-Ware, die uns mit bis zum Abwinken konstruierten Wortspielchen beeindrucken wollen. Hier hat Syds Unsicherheit und Lucys behutsames Parieren einen so ungeschminkten Flair, daß der Stillstand zum wirksamen Zauber eines Magiers wird und man sich wünscht, der ganze Film bestünde aus dieser elegischen Idylle, die ausschließlich von zwei hervorragenden Darstellern getragen wird.
In letzter Konsequenz einer zum Scheitern verurteilten Märchenwelt erscheint Lucys Tod als Aufschrei gegen eine verlogene Realität, die unweigerlich das Paar einholt und nun ihren schrecklichen Tribut fordert. Der traurigen Auflösung steht die befreiende Abkehr gegenüber und zugleich schließt sich der Kreis, der mit Lucys beendeter Karriere angefangen hat. Das Vermächtnis wird den armseligen Henkern vermacht, die das Abschiedsgeschenk blind als ihren Triumph feiern und sich zufrieden auf die Schulter klopfen - ohne jemals über ihren Tellerrand geblickt zu haben.




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