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Kritik: Ein todsicheres Geschäft (1999)


Voller Sympathie und guten Willens geht man ins Kino: Das kann nur ein guter Film werden! Ein junger Deutscher, der fast besessen im tiefsten Wales ein Begräbnisinstitut eröffnet und von seinem Freund, dem alternden Jazz-Klarinettisten durch ein paar nicht ganz saubere Tricks vor der Pleite gerettet wird... Das hört sich gut an. Verschrobene Engländer. Begräbnisse. Jazz. Schwarzer Humor. Ganz klar. Und gute Schauspieler. Thomas Schmauser konnte sich schon in "Nach 5 im Urwald" beweisen und ist mit seinem Retro-Charme wirklich gut für die Rolle des Hugo gecastet worden. Seinem Gegenüber Ben Gazzara nimmt man die Rolle eines alternden Ex-Musikers mit mafiösem Charme gerne ab, obwohl er etwas sehr hölzern wirkt. Und schließlich der Regisseur Mathias X. Oberg, der mit seinem Erstling "Unter der Milchstrasse" einen kultigen Hit landete und die Produktionsfirma Claussen + Wöbke, die "Jenseits der Stille", "Nach 5 im Urwald", "Die Apothekerin" und "Crazy" machten. Das alles sollte zusammen wunderbar funktionieren können. Und fast klappt es! Aber nur fast. Denn es fehlt der schwarze Humor! Niemals geht der Film weit genug, ist immer etwas ängstlich und kann sich nie entscheiden, was er eigentlich sein will. Harold and Maude? M.X. Oberg hat ein angenehm langsames Tempo gewählt, das gut zu einer Charakterstudie passt, aber eigentlich hätte er gerne eine bitterböse Satire gemacht. Dennis Eick Was wohl ein tiefer Stich mitten in das Herz des Leichenbestatterberufes hat werden sollen, ist über eine anständige Arterienverkalkung nicht hinaus gekommen. Wenn kein Messer da ist, dann muss es eben mal eine Fuhre feinsten Fettes tun. Dieses rührt dann auch der Jazzklarinettist Jim Lagota an, wenn er dem deutschen Hugo Nagel, beim Versuch, sich mit einem Bestattungsinstitut selbständig zu machen, unter die Arme greift. Dank Lagotas Hilfe boomt endlich das Geschäft in dem verschlafenen Badeort in Wales, der die höchste Rentnerdichte Europas besitzt. Hugo wundert sich überhaupt nicht, wo plötzlich die ganzen Leichen für seine Särge herkommen, denn schließlich hat er ganz andere Probleme: Seine Freundin denkt, er handele mit Diamanten und das Institut sei nur Tarnung, während gleichzeitig die Konkurrenz versucht, ihn vom Friedhof zu verbannen. Ein bisschen morbider Humor, einen charismatischen Schauspieler wie Ben Gazarra als abgehalfterter von Arthritis geplagter Klarinettist und Wales als atmosphärischer Schauplatz würden schon ausreichen für eine gelungene schwarze Komödie, haben sich die Verantwortlichen wahrscheinlich gedacht. Tut es aber nicht. Im Gegensatz zum Eingangs erwähnten wirkungsvollen Messereinsatz braucht das metaphorische Fett eine lange Zeit ehe es zu Wirken beginnt. Deswegen ist alles in "Ein todsicheres Geschäft" ein wenig verschroben, ein bisschen jenseits des guten Geschmacks, eben alles ganz nett, aber nichts wirklich böse geraten. Die einzelnen Todesfälle passieren nebenbei und leisten so der Verschlafenheit des Ortes Gesellschaft. Die Geschichte schleicht voran, legt kurze Zwischenspurts ein, um vor der nächsten Hürde hechelnd zu verharren. Nein, langweilig ist das nicht, nur auch nicht richtig aufregend oder gar lustig, von einzelnen Lachern mal abgesehen.





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