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Felicia, mein Engel
Felicia, mein Engel
© Arthaus

Kritik: Felicia, mein Engel (1999)


Der Name des in Kairo geborenen und seit langem in Kanada lebenden Armeniers Atom Egoyan bringt seit vielen Jahren ein verklärtes Leuchten in die Augen derjenigen Cinéasten, die intellektuelles, exquisites Kunstkino bevorzugen. Filmtitel wie "Der Schätzer", "Calendar" und "Exotica" gewannen allesamt diverse Preise auf den üblichen Festivals. Den ganz großen Durchbruch schaffte Egoyan vor zwei Jahren mit "Das süße Jenseits". Das faszinierend vielschichtige Meisterwerk erhielt u.a. den Großen Jurypreis von Cannes. Geradezu verwunderlich also, dass "Felicia’s Journey", Egoyans neuestes Werk, dass im vergangenen Jahr in Cannes Premiere hatte, vom gewohnten Preissegen ausgenommen wurde. Verwundern mag das allerdings nur jene, die den Film noch nicht kennen. Schaut man ihn sich an, wird schnell klar, dass dem Regie-Exzentriker diesmal kein großer Wurf gelungen ist. Bemerkenswert in dem Zusammenhang, dass "Felicia..." Egoyans erste zaghafte Annäherung an den Mainstream ist. Natürlich ist er nicht in seichte Unterhaltung abgedriftet. Der neue Film ist jedoch einigermaßen gradlinig erzählt und enthält sich weitgehend der üblichen Subtexte Egoyans. Leider trägt die Reduktion der erzählerischen Mittel nicht zu einer wirklich interessanten und greifbaren Geschichte bei.

Der Film basiert auf einer Romanvorlage von William Trevor: Auf der Suche nach einem britischen Soldaten, von dem sie schwanger ist, begibt sich das irische Mädchen Felicia nach England. In Birmingham trifft sie auf den Kantinenwirt Hilditch, einen fülligen Junggesellen mittleren Alters. Der gutmütige Koch nähert sich zaghaft dem etwas hilflos wirkenden Mädchen und bietet seine Hilfe an. Nahezu unmerklich gerät Felicia in den Bann von Hildritch. Mit kleinen Tricks versteht er es, sich quasi unentbehrlich zu machen. Erst als es zu spät ist, erkennt die junge Irin, dass die vermeintliche Fürsorge ihres Helfers längst in Obsession umgeschlagen ist. Unmerklich hat die dunkle Seite seiner morbiden Psyche von ihm Besitz ergriffen und zieht ihn wie sein neues Opfer Felicia in einen tödlichen Strudel.

Leider fehlt "Felicia, mein Engel" all das, was "Das süße Jenseits" zu einem so großartigen Film gemacht hat. Die Geschichte plätschert recht müde und eindimensional vor sich hin. Unterlegt ist das Ganze mit einem beliebigen Schrammel-Jazz. Weder erzählerisch noch visuell findet der Film zu einer Einheit, und auch Bob Hoskins schafft es einfach nicht, seine Figur mit dem richtigem Maß von geheimnisvoller Abgründígkeit zu versehen. Zu allem Überfluss ist der Film auch noch ausgesprochen langatmig. Von der Komplexität der Geschichte in der Romanvorlage bekommt man bei Egoyans Bearbeitung des Stoffes (er hat auch das Drehbuch geschrieben) nur eine vage Ahnung.

Eigentlich nennt man so etwas eine handfeste Enttäuschung. Allerdings sei zum Schluss doch eine Relativierung erlaubt: Mit seinem magischen Film davor hat Atom Egoyan (der alte Fluch des Genies) die Erwartungshaltung des Publikums in nahezu unerreichbare Höhen getrieben. Daran gemessen ist "Felicia..." natürlich gescheitert, wenn auch auf durchaus ansprechendem Niveau.





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