VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Romance (1999)


Zitieren wir zu Beginn einmal das Presseheft des Verleihs bzw. dessen Formulierungshilfen. Da ist über den Film von Catherina Breillart zu lesen: In ihrem neuen Film, dessen provokatives Plakat in den USA verboten wurde, seziert sie einmal mehr das komplexe Gewebe aus Liebe, Unterdrückung, Abhängigkeit, Lust und Schmerz, das wir einfach Beziehung nennen. Dass sie in einer Nebenrolle den Profi-Porno-Darsteller Rocco Siffredi besetzte, brachte ihr den Vorwurf ein, einen Porno gedreht zu haben. Ein schockierender, ein tabuloser, symbolischer Film, der die Diskussion um Geschlechterrollen neu entfacht. Zitat Ende.
Bei allem Schmunzeln über die Sinnfreiheit des Textes, eindeutig und nicht zu überhören, der Verleih möchte ein Skandälchen herbeireden. Durchaus nachzuvollziehen, da wohl die einzige Möglichkeit, dem Film weitergehende Aufmerksamkeit plus entsprechende Besucherzahlen zu sichern. Der vermeint-lich schockierende Tabubruch besteht in einigen Einstellungen in denen das männliche Primärgeschlechtsorgan in gut durchblutetem Zustand zu sehen ist und - der Gipfel - einmal gar mit ein paar Tröpfchen Ejakulat rumgesabbert wird. Mal sehen, ob irgendwo im südlichen Bayern, vielleicht in der Gegend um Passau, ein Staatsanwalt seinen Beamtenschlaf unterbricht und sich dazu durchringt, dies anstößig zu finden.

Im übrigen gilt: In "Romance" geht es so wenig um Romantik, wie es in dem kürzlich angelaufenen ebenfalls französischen Film "Eine pornographische Beziehung" ums Sportficken ging.

Die junge Lehrerin Marie leidet unter der sexuellen Enthaltsamkeit ihres Freundes. Da sich mit und bei ihm schon seit Monaten nichts mehr regt, entsteht in ihr der Wusch, die Gesetzmäßigkeiten menschlicher Sexualität anderweitig zu erkunden. Sie lässt sich auf zwei völlig unterschiedliche Beziehungen ein. Neben der Affäre mit der Zufallsbekanntschaft Paolo, geht sie auf eine sado-masochistische Erlebnisreise mit ihrem vorgesetzten Direktor. Ihre Erfahrungen hierbei tarieren die Grenzen emotionalen Erlebens und weiblichen Selbst-bewußtseins neu aus. Am Ende steht eine radikale Lösung von Maries Problemen.
Der Regisseurin muß so etwas wie ein radikalfiministischer Sexfilm mit philosophischem Unter (nicht Über-)bau vorgeschwebt haben. Interessanter Versuch, nur hier leider misslungen, wenn nicht gar nach hinten losgegangen. Dass die Charaktere stilisiert und leblos sind wie auch die Dialoge, mag ja noch angehen. Dass das feministische Manifest schlußendlich jedoch darin gipfelt, die letzte weibliche Befreiung in der Erniedrigung zu suchen, mutet reichlich verquast an. Und dass ausgerechnet eine Feministin wie Catherine Breillart tiefe Befriedigung und Erfüllung in der Mutterschaft empfielt, ist schon starker Tobak. Irgendwie scheint dieser Dreh (?!) selbst der Autorin (ebenfalls Catherine Breillart) etwas gewagt vorgekommen zu sein, und sie hat kurzentschlossen noch den gewaltsamen Tod des Kindsvaters ins Drehbuch geschrieben. Wie auch immer: "Romance" predigt alles andere als die fröhliche Anarchie im Gewchlechterkampf, sondern gefällt sich in selbstquälerischer Nabelschau von kollossaler Freudlosigkeit.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.