VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Wild Christmas (2000)


Eigentlich bietet die Story jede Menge Stoff für einen witzigen, tragischen und hintersinnigen Film. Draus geworden ist nichts bahnbrechendes, was wohl der allzu routinierten Regie des Action-Spezialisten John Frankenheimer zu verdanken ist. Anstatt ein faszinierendes Spiel mit falschen Identitäten und doppelten Täuschungen zu inszenieren, konzentriert sich der Altmeister in partieller Ignoranz der Buchvorlage nur auf die rasanten Sequenzen nach traditionellem Krimi-Strickmuster. Was den Dialogwitz angeht, so findet Ehren Krugers Roman schon mehr Anerkennung, doch bleibt der Film auch in seinen komödiantischen Qualitäten an der Oberfläche. Hinzu tritt Ben Affleck, dem vor lauter Sorge um seine männliche Erotik gelegentlich die Lockerheit abhanden geht. Cool wirken zu wollen und cool sein, sind eben zwei Paar Schuh – da ist die weibliche Hauptrolle mit Charlize Theron doch schon eindeutiger. Auch nötigt das Drehbuch Affleck und einigen seiner Leinwandkollegen einen Hang zur Erklärung ihres Tuns ab, offenbar in Kenntnis der zahlreichen logischen Lücken des Films. An Zufälle wie jenen, als Affleck und seine Geliebte justamente im horizontalsten Augenblick ihrer jungen Beziehung vom monsterhaft stilisierten Luder-Bruder gestört werden, muss man sich im Laufe des Films gewöhnen. Wild Christmas zeigt leider keine Ambitionen, mehr sein zu wollen als gute und spannende Unterhaltung. Die allerdings kann der Film ohne großes Wenn und Aber leisten: Bei spektakulären Szenen, allen voran dem Casino-Einbruch, kann Frankenheimer seine ganze handwerkliche Trumpfpalette ausspielen und mit seiner gewohnt stilsicheren Technik beeindrucken. Trotzdem: Eingedenk der dramatischen Chancen, die das literarische Original mit seinem Repertoire an tragikomischen Verwechslungen bietet, präsentiert sich die Leinwandversion als falsch zurechtgestutzte Story ohne echte Wirkung.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.