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Eine pornographische Beziehung
Eine pornographische Beziehung
© Scotia

Kritik: Eine pornographische Beziehung (1999)


Liebe ist nur ein Ort: Im immer gleichen Hotelzimmer treffen sich ein Mann und eine Frau zur anonymen Liebe, um ihre Phantasien auszuleben. Frédéric Fonteynes hoch interessanter Film ist aufgemacht wie eine Pseudo-Dokumentation: Ein unsichtbarer Interviewer zeichnet die ungewöhnliche Geschichte der Protagonisten sachlich auf.

Für SIE und IHN ist Liebe nur Verhandlungssache zwischen zwei anonymen Partnern. Die beiden fühlen sich in ihren selbst gewählten Rollen zwar nicht wohl, die Alternative einer "richtigen" Beziehung aber schreckt sie ab: Alles viel zu kompliziert.

Sex und Liebe als Laborexperiment – alles geplant, alles im Griff: Die beiden Partner sind Objekte eines Selbstversuchs. Man trifft sich immer auf neutralem Boden, Sex gibt's nur im Hotel. Über sich selbst geben die beiden nahezu nichts preis – sie siezen sich sogar nach Monaten noch gegenseitig und kennen weder Name noch Adresse oder Telefonnummer des Partners.

Freilich: Echte Gefühle kommen dem Plan der beiden in die Quere, Verwicklungen bleiben nicht aus. Der hervorragend gemachte Film mit dem so irreführenden Titel besticht mit wunderbaren Dialogen voll sensibler Komik – etwa, wenn SIE und ER versuchen, während des Liebesakts emotional Distanz zu wahren. Fonteyne erzählt behutsam, unaufdringlich und mit zarter Poesie von der verpassten Chance einer nicht gelebten Liebe, von Leidenschaft und Leid und der Zerbrechlichkeit von menschlichen Beziehungen.

"Eine pornographische Beziehung" war die Sensation der letzten Filmfestspiele von Venedig: Nathalie Baye wurde dort hoch verdient als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet.





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