VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: The Dancer (2000)


Kaum hat Frankreichs Goldjunge Luc Besson eine Idee, schon entsteht ein ganzer Film daraus. Zuletzt "Taxi, Taxi", der dort - wie langweilig! - erneut alle Kassenrekorde brach. Hier setzte Besson selbst die Feder zum Script auf. Es ist bei einer Idee geblieben, ausstaffiert mit heißer Luft.
Sofern man vorgibt, das Genre des Tanzfilms neu zu definieren, eine Chuzpe. Aber Bescheidenheit ist nicht Bessons Stärke. Sein Großstadtmärchen vom stummen Aschenputtel auf der Suche nach Anerkennung ist gut gemeint. Der Schatten der Klassiker, "Flashdance" inklusive, schwebt über der naiven Handlung, die Erinnerungen an eine alte US-Serie wachruft: 08/15.
Was spätestens seit "Das fünfte Element" stärkstes Argument einer Besson-Kritik darstellt - die Diktatur der Bilder über die Geschichte - scheint sich zu dessen Markenzeichen entwickelt zu haben: neben all der aufwendigen visuellen Reizüberflutung bekundet "The Dancer" wie ein Lifestylemagazin, den Zeitgeist abonniert zu haben. Darüber weilt Besson wie ein Modezar, in dessen verspiegelter Sonnenbrille sich der Größenwahn reflektiert.
Hier hat es Methode: Tanzmusik cluborientierter Prägung und das ständige Gefühl, cool und trendy zu sein, wirbeln wie die begabte Mia Frye durch das multikulturelle Universum. Als wäre es nicht genug, dem Publikum eine schöne Zeit zu verkaufen, wirbt Besson um Verständnis, fordert unser Mitleid: welch armes Geschöpf sich in einer kalten Welt behaupten muss! Dieses Kalkül ist so aufgesetzt, wie alle Räume zwischen den Tanzszenen vom Reißbrett stammen.
Man kann sich Besson als janusköpfigen Megalomanen vorstellen: einerseits gründet er die Produktionsfirma "Europa", die zukünftig dem durch Streiks verunsicherten Hollywood Kreative und Prozente abtrotzen wird. Was nützt dies aber, wenn solche Filme folgen? Filme wie "The Dancer", die die Muster der Traumfabrik sklavisch wiederholen? Hoffentlich bleibt der SAG-Streik aus...
Fazit: Um Leidenschaft bemühte Variation gängiger Schemata des Tanzfilms, die über interessante visuelle Gestaltung, nicht jedoch über eine Handlung verfügt.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.