VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Deus' Hochzeit (1998)


Keine leichte Kost, was Alt-Regisseur João Cesar Monteiro wieder einmal verzapft. Doch im Unterschied zu seinen bisherigen Epen strotzt „Deus Hochzeit“ vor handgreiflicher Handlung und plastischen Episoden. Eine Schatulle voll Geld, von einem Gottesboten überreicht, soll den merkwürdigen Einzelgänger João de Deus zum mächtigsten Mann der Welt machen.
Der Plot erinnert fatal an die Dickens-Geschichte mit Gregory Peck aus den Fünfzigern, behält jedoch im Unterscheid zu diesem Streifen ein gehöriges Maß an skurriler Eigenart. Ebenso unermittelt und gnadenlos grotesk wie den Einstieg erzählt Monteiro das feingesponnene Opus weiter und lässt den Zuschauer fast heimtückisch in die absurde Welt seines Hauptcharakters einsteigen. Alleine die Kombination von Deus’ Tugenden, nämlich Verführung, Askese und schier unerträgliche Gedankenfreiheit, wirkt kurios und gibt dem gesamten Film einen originellen Flair, der gleichwohl von intellektuellem Ballast in gelegentliche Tiefs und Längen gezogen wird. In seiner Diesseitsgier wirkt der schrullig-frivole Deus fast wie eine Antistrophe zum Dr. Faust, teilt mit diesem jedoch dessen langatmige und anstrengende Hintersinnigkeit. Vielleicht gerade durch den aggressiv zur Schau getragenen Atheismus Deus’ gerät der Film in ein religiös oder doch zumindest spirituell gefärbtes Fahrwasser: So erhalten viele Zufälle, die Deus‘ Weg kreuzen, den Charakter von Weihegeschenken – rätselhaft, reizvoll und doch mit Sorgfalt zu behandeln. Auch das Kloster, in das der Lebensretter Deus eine junge Frau steckt, ist als religiöser topos zu betrachten, wie überhaupt die Orte dieser Geschichte oder besser: dieser Vision für Inhalte und Stimmungen stehen. Man könnte sicher noch stundenlang über den philosophischen Tiefgang dieses Werkes debattieren; und wer auch heute noch gerne über einen Film nachdenkt, kommt hier voll auf seine Kosten.
Ein famoser Intellektuellenfilm, der mit subtilen Überraschungen und provokanten Frechheiten nicht spart, zudem mit etlichen Prisen feinsinnigen Humors gewürzt. Dank dieser Erfrischungen mag diese ansonsten etwas zähe und schwer verdauliche Utopie Monteiros auch bei einem breiteren Publikum durchgehen.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.