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Der Himmel kann warten
Der Himmel kann warten
© Buena Vista

Kritik: Der Himmel kann warten (2000)


Eine schöne Story verliert schnell ihren Reiz, wenn die gute Absicht in Moral und Schwarz-Weiß-Denken erstickt. Denn im Grunde geht es bei diesem niedlichen Film um nichts anderes als den Wert von echter Freundschaft, die selbst Karrieredenken überflügeln kann. Doch Alex als der stille Grübler und gute Junge von nebenan und der Wüstling Paul mit all seinem Hochmut und egoistischem Kalkül – nein, nein, nein, das geht einfach doch zu weit und schlittert hart an der Wirklichkeit vorbei. Zumal Paul keine Gelegenheit auslässt, fast krampfhaft seine konstruierte Egomanie zur Schau zu stellen und Alex wiederum allzu angestrengt versucht, den Zuschauer nach Art eines christlichen Entwicklungshelfers von seinem humanen Idealen zu überzeugen. Was die beiden aneinander kettet, bleibt die wohl schwierigste Frage im Film, die mit dem Spruch „Gegensätze ziehen sich an“ keine befriedigende Antwort erhält. Freilich hat Regisseurin Brigitte Müller noch weitere Sentenzen in ihrem philosophischen Rucksack gelagert: So kommt die Reise der beiden ungleichen Spaßmacher nach den USA einem Selbsterfahrungstrip gleich, der nur so von Belehrung strotzt: Erst die Erfahrung wirklichen Leidens, so der weise Alex, macht guten Humor möglich. Diese wie alle anderen Aussagen sind zwar ebenso richtig wie interessant, doch geht es in einem Film nun mal darum, Botschaften in ein ansprechendes Geschenkpapier zu wickeln. Davon ist „Der Himmel kann warten“ weit entfernt, obwohl es an schönen kleinen Ideen nicht mangelt. Die Wirklichkeit ist eben doch etwas diffiziler und liegt irgendwo in der Mitte, aber sicher nicht bei den Moralextremen Alex und Paul. Fast komisch, aber nicht nur der Himmel, auch die Moral kann warten. Titus Beile
Frank Giering wird zum Lieblingskind der deutschen Filmszene und speziell das Frauenblatt Allegra hat ihn in ihre Arme genommen. Und zu recht: auch in „Der Himmel kann warten“ ist er knuffig und so wunderbar sensibel, dass ihn alle Frauen lieben werden. Leider ist der Film uneinheitlich in der Welt, die er schafft und lässt so einige Fragen offen. Geld scheint keine Rolle bei unseren Komikern zu spielen - dennoch treten sie Abend für Abend in einem Club der B-Kategorie auf. Zu viele Geschichten werden aufgenommen und nicht weiter geführt. Da werden Figuren gerade einmal auf ein Zähnefletschen reduziert. Oder was sollte uns die Figur des „bösen“ Mitkonkurrenten Chris sagen? Was soll uns Ellen Ten Damme in diesem Film sagen, die mal kurz auftritt und beweist, dass ihr holländischer Akzent nicht besser, sondern einfach nur Markenzeichen wird? Es gibt wohl keinen Film, der sich mit dem Thema des Komödianten auseinander setzt, der nicht die anscheinend „dunkle“ Seite des Berufes herausstellt. Komiker sind, so lernen wir, allesamt gescheiterte Existenzen. Entweder in der Tiefe ihres Herzens böse und gemein, oder geldgierig, oberflächlich, ehrgeizig oder eben: krank. Wenn es aber um Komik geht, dann sollte man verlangen dürfen, dass die Witze, die uns die Schauspieler auf der Bühne darbieten, wirklich originell und witzig sind. Und nicht bieder und altbekannt. Wenn diese Kritik so negativ klingt, dann nur aus der Enttäuschung heraus, dass der Film seine Möglichkeiten verschenkt - er ist immer noch besser als das Gros der deutschen Filme in letzter Zeit. Denn wenn man die Unebenheiten des Plots übersieht und sich auf die Freundschaft konzentriert, davon zu erzählen ja die eigentliche Aufgabe des Films ist, dann ist man durchaus mitgenommen und sentimental, wenn man das Kino verlässt. Wir lernen: Komödianten sind unglückliche Menschen. Nicht wirklich neu....





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