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Kritik: Rock Star (2001)


Das Heavy-Metal-Selbstfindungswerk „Rock Star“ von Stephen Herek („101 Dalmatiner“) erzählt die nette, aber belanglose Geschichte eines Provinzjünglings (Wahlberg), der als Sänger einer Rockband Karriere macht, darüber aber die wahren Werte vergisst. Diese sind: Treue zur Freundin (Jennifer Aniston), der Glaube an sich selbst und die Einsicht, dass Geld nicht alles ist. Wäre das Singspiel nicht so laut, es könnte gut im Vorprogramm des nächsten Kirchentages untergebracht werden.  

Authentische Vorlage des Streifens ist ein Abschnitt aus der Band-Historie der Metal-Combo Judas Priest, die sich mittlerweile von „Rock Star“ distanziert hat. Fans harter Klänge wird zumindest ein solider Soundtrack und überzeugend eingefangene Live-Atmosphäre geboten. Das genügt aber auf Dauer nicht, um die klischeehafte Darstellung von Sex, Drugs & Rock'n'Roll aufwiegen. Dass der Rockstar am Ende konvertiert und als Reinhard-Mey-Klon auftritt, spricht dann schon wieder für den Kirchentag.

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Zunächst schlägt »Rockstar« gewöhnliche Bahnen ein. Pittsburgh. Fünf glühende Anhänger der Heavy Metal Formation »Steel Dragon« spielen als Tribute-Band »Blood Pollution« die Songs ihrer Idole nach. Der Sänger (Mark Wahlberg) erhält, nachdem er wegen Eifersüchteleien aus der Band geschmissen wurde, eine Einladung nach LA, um in der prunkvollen Villa von »Steel Dragon« vorzusingen. Die Videoaufnahme eines »Blood Pollution«-Konzertes, das zufällig in die Finger der Metal-Heroen gelangte, hatte sie auf den talentierten Nachwuchssänger aufmerksam gemacht. Da sie aufgrund von Problemen mit dem Original-Frontman nach einem neuen, charismatischen Idol für die Massen suchen, kommt ihnen der unverbrauchte Fan gerade recht. Denn wer könnte besser in die neu zu besetzende Rolle schlüpfen, als ein exzessiver Anhänger von »Steel Dragon«, der nicht nur alle Songs im Schlaf beherrscht, sondern auch noch außerordentlich mitreißend singt? So steigt der kleine Fan aus Pittsburgh plötzlich zum Mega-Star auf. Mit ihm beschreitet auch der Film den Weg in den Rockzirkus. Zunächst serviert »Rockstar« scheinbar völlig distanzlos jedes Klischee, das man so kennt. Von wilden Partys über sexuelle Eskapaden bis hin zum üblichen zertrümmerten Hotelzimmer kommt alles vor. Aber Kameramann Ueli Steiger verpackt jede dieser Szenen in wunderschön gelackte Bilder, die sich perfekt mit der leicht überbordenen Inszenierung (Wahlberg fährt z.B. als frisch gebackener Star auf einem Motorrad durch einen Hotelflur) verbinden, so dass über allem ein Ausrufezeichen schwebt. Etwa eine Stunde lang ist »Rockstar« selbst eine einzige Rock'n'Roll-Pose, die mit Hilfe der Klischee-Übertreibungen auch amüsante Parodieansätze zu bieten hat. Danach wendet sich der Film in eine andere Richtung und bringt die alte Legende ins Spiel, dass jeder ein Star werden könnte. Auf diese Weise kombiniert »Rockstar« coole Bebilderung eines Fan-Traums mit hintersinniger Reflexion des Musikgeschäfts sowie seiner Bedingungen.






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