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Kritik: Girls United (2000)


"Girls United" verfrachtet die Klischees von Tanz- oder Sportfilmen in das Cheerleader-Millieu amerikanischer Highschools. Herausgekommen ist ein durchschnittlicher Film mit überzeugenden Tanzszenen. Wenn man an Sport denkt, dann werden Cheerleader recht selten zuerst genannt. Wir kennen sie als nette weibliche Dreingabe zu echtem Männersport, wie Football oder Basketball. Das Cheerleading auch sehr anstrengend und sportlich sein kann, mag man selten wirklich realisieren. Und wirklich, auch in mir gibt es eine Barriere, die Cheerleading und seine Faszination nur auf dem untersten Instinktlevel meiner Männlichkeit zulässt. Aber gut, das sagt jemand, dem auch Tennis und seine Faszination auf ewig verborgen bleiben wird... "Girls United" ist schon eine komische Mischung. Der Film setzt sich aus Versatzstücken der Teenie-Film Welle, des Tanzfilms und etlicher Sportlerparolen zusammen, ohne dass er irgendwann wirklich greifen würde. Es ist allenfalls das Thema, welches wirklich innovativ zu nennen wäre, der Film selbst ist es nicht. In seinen besten Szenen schafft es "Girls United", wirklich lustig zu sein. Es gibt viele Momente, die mit satirischem Überguss die heile Welt der Cheerleader in Frage stellen und auch eine wunderbare Szene, in der der selbstverliebte Choreograph den Mädchen zu Höherem verhelfen soll, ihnen aber nur klar macht, dass er eigentlich für Höheres bestimmt ist. Sonst schaffen es aber nicht einmal die zumeist überzeugenden Jungdarsteller, diese (wohl typisch europäische) Barriere zu durchdringen, die so etwas wie Ernsthaftigkeit und Sportlergeist direkt wieder abweist. Am Ende zählt deshalb wohl, wer Teenie- und Tanzfilme mag, und wer nicht. Die etwas unausgegorene Mischung kommt zwar mit dem hoch zu schätzenden Motto daher, Cheerleading als Sport zu präsentieren; dem kann die naive Tanzfilm-Dramaturgie aber kaum gerecht werden. Wer vorher dachte, Cheerleader seien einfach die Mädchen an der High School, an die niemand herankommt, der wird nach dem Film nicht anders denken. Trotz teilweise wunderbarer, wirklich sportlicher Cheerleading-Szenen und augenzwinkernden Komiksequenzen saß ich eher mit angeregtem Unverständnis vor dem Ganzen, konnte aber wenigstens der Position Cliffs etwas abgewinnen. Wer Cheerleading mag, wird auch "Girls United" mögen, jedem anderen sei gesagt, dass sich hier zeitweise sehr viel Durchschnitt breit macht. Knut Brockmann "Bring it on" hat ein schwieriges Sujet, das in Deutschland kaum mehr Zuschauer finden wird, als es hier Mitglieder zweitklassiger American Football Vereine samt Cheerleader gibt. Sollte man meinen. Und tatsächlich:
Der Anfang scheint alle unsere Vorurteile zu bestätigen. Beim Cheerleading verliert Torrance Shipman (Kirsten Dunst) auf dem Höhepunkt der komplexen Tanzszene ihr Oberteil und präsentiert dem johlendem Publikum ihre nackte Brust ­ nur um dann schreiend aus dem Traum aufzuwachen. Und weiter geht es: Vom coolen Neuzugang Cliff in Torrances Klasse, der als Außenseiter dennoch ihr Herz gewinnen kann bis hin zu den zickigen Schlampen im Cheerleader-Team, werden alle Klischees hier brav erfüllt. Und natürlich sind auch die männlichen Cheerleader... schwul. Klar. Ein richtiger Teenager-Film, voller Gründe, damit Vierzehnjährige beim ersten Rendezvous ihr Popcorn auf das Knie ihrer Nachbarin schütten können- vor Lachen. Denn das Drehbuch von Jessica Bendinger, ihr Erstlingswerk, ist immer wieder witzig. Und sie kann uns doch zum Schluss davon überzeugen, dass Cheerleading, so abstrus und überflüssig es manchem von uns scheinen mag, doch irgendwie einen Sinn hat und eine Berechtigung. Wenn auch nur in einem 103minütigem Film. Und der hat wirklich Spaß gemacht. Cheerleading ist doch besser als man denkt...





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