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Kritik: Die Einsamkeit der Krokodile (2000)


Dass der deutsche Film sich in den letzten Jahren inhaltlich immer mehr in die Metropolen zurückgezogen hat, kann eigentlich nur profane Gründe haben. Wie z.B. den, dass dort nun mal die Produktionsfirmen sitzen, die Drehbedingungen dank besserer Infrastruktur günstiger sind etc. Nichts spricht dafür, dass in der Stadt die besseren Geschichten spielen, eher im Gegenteil. Und vielleicht spielt ja bei Produzenten und Regisseuren immer noch die Angst eine gewisse Rolle, mit einem Film der auf dem flachen Land spielt, in die Heimatfilmecke der 50er Jahre gedrängt zu werden.

In dieser hat jedenfalls "Die Einsamkeit der Krokodile" nichts verloren, auch wenn der Film in Ostwestfalen und dort vorwiegend in Ställen, Metzgereien, der Dorfkirche, auf Wiesen usw. spielt. Es ist allerdings alles andere als eine ländliche Idylle, in die uns der Autor und Regisseur Jobst Oetzmann entführt. In einem verlassenen Kaff hat es einen mysteriösen Todesfall gegeben.

Der junge Hamburger Journalist Elias recherchiert den angeblichen Selbstmord seines entfernten Cousins Günther. Er begibt sich vor Ort in die "deutsche Toskana" nach Ostwestfalen. Die Menschen hier geben sich ihm gegenüber merkwürdig verschlossen und argwöhnisch. Schnell sieht sich Elias in die Rolle eines Außenseiters gedrängt. Es ist dies genau die Rolle, die auch Günther in dem kleinen Örtchen eingenommen hat. Von Kindesbeinen an galt er als Sonderling. Sogar die Eltern haben über ihren Sohn immer wieder den Kopf geschüttelt. Wer in der Metzgerei inmitten des Schlachtviehs Geige spielt und nachts mit den Schweinen spazieren geht, um ihnen etwas von der Welt zu zeigen, der hat es anscheinend nicht leicht im Leben.

Bei seinen Nachforschungen erfährt Elias einiges über eine ihm bis dahin unbekannte Welt. Sympathien bringt ihm hier alleine die attraktive Wirtin der Dorfkneipe entgegen. Ansonsten stößt Elias auf eine Mauer des Schweigens. Selbst Günthers Eltern scheinen nur wenig am Schicksal ihres Sohnes, den sie als unnormal empfunden haben, interessiert. Aber Elias verfolgt weiter verschiedenste Spuren und wird schließlich von dem geistig zurückgebliebenen Roland zu der schwarzen Amerikanerin Mary geführt. Sie erzählt ihm von einer ungewöhnlichen Liebe. Und plötzlich ist sich Elias sicher, sogar einem Mordfall auf der Spur zu sein.

"Die Einsamkeit der Krokodile" ist genau das, was man unter einem sympathischen kleinen Film versteht. Das Ganze hat Charme und Stil und ist wegen seiner kritischen Betrachtungen zur Schweinemast sogar hochaktuell. Besonders feinfühlig lotet Oetzmann, eigentlich ein Fernsehroutinier, den schmalen Grat zwischen vermeintlich normaler Welt und sogenanntem Wahnsinn aus. Dass dies so stimmig hinhaut liegt natürlich vor allem an den beiden Hauptdarsteller Thomas Schmauser und Janek Rieke.

Zum Abschluss vielleicht noch das Fazit des Manifests der fahrradenthusias-tischen Schweinemasttouristiker, das im Film eine nicht unbedeutende Rolle spielt: Seid dem Schwein ein Bruder, eine Schwester. Das Leben muss mehr sein als eine düstere Fress- und Verdauungshölle!





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