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Kritik: Bossa Nova (2000)


Mit "Bossa Nova" ergibt sich die seltene Möglichkeit, einen brasilianischen Film auf den deutschen Leinwänden zu sehen. Dabei fällt auf, dass hier die Dramaturgie des Hollywood-Films mit Eigenheiten des südamerikanischen Landes gemischt werden, so dass eine erfreulich erfrischende Komödie entstanden ist. Die Handlung wiederzugeben, ist eine schlicht unmögliche Aufgabe. Es sei nur soviel gesagt, dass "Bossa Nova" ein Beziehungsgeflecht aus neun Frauen und Männern in Rio de Janeiro auffächert. Da gibt es den Anwalt Pedro Paolo, dessen Frau Tânia ihn mit ihrem Tai-Chi-Lehrer betrügt. Daraufhin versucht er, die attraktive ehemalige Stewardess und jetzige Englischlehrerin Mary Ann für sich zu gewinnen, an der auch deren Privatschüler Acácio, ein brasilianischer Fußballstar, interessiert ist. Komplettiert wird der Reigen durch Pedro Paolos Kollegin Sharon, seinen Bruder Roberto, einer weiteren Schülerin Mary Anns, Nadine, und deren Internet-Bekanntschaft Gary. In der Art und Weise wie von den Drehbuchautoren Alexandre Machado und Fernanda Young die Liebe aufbereitet und für den Zuschauer erklärt wird ist das ganz Hollywood. Die Dramaturgie des Hoffen und Bangens, zahlreiche Komplikationen und Missverständnisse, welche zur Komik benutzt werden, der dramatische Schluss dienen dazu, den Protagonisten ihre wahre Liebe zuzuführen. Dieses Romantik-Verständnis ist untrennbarer Bestandteil der universalen Filmsprache wie sie von Hollywood dominiert und in die ganze Welt exportiert wird. Wer würde bei einer Internet-Romanze nicht auch gleich an »E-Mail für Dich« denken? Seinen besonderen Reiz erhält der Film also vor allem durch die Charaktere, welche ganz brasilianisch sind. Mit einer ruhigen Gelassenheit begegnet Pedro Paolo auch den chaotischsten Verwirrungen, die das Schicksal für ihn bereithält. Erst zum Schluss, wenn die Dramaturgie etwas anderes nicht mehr zulässt, wird auch er vom Tempo aufgesogen. "Bossa Nova" parodiert das machohafte Verhältnis seiner männlichen Figuren zu den Frauem, wenn ihr Stolz mehr als einmal verletzt wird. Das beginnt bei Tânia, die einfach den attraktiven Tai-Chi-Lehrer Pedro Paolo vorzieht und setzt sich bei Mary Ann fort, welche Acácio selbstbewusst zurückweist. Diese Mischung aus bekannter Dramaturgie und neuen Ideen ist es, die "Bossa Nova" so gut funktionieren lässt. Ein betont beschwingter Rhythmus wird dabei angeschlagen, so dass eine lockere sehenswerte Komödie entstanden ist. Stefan Dabrock




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